Acker-Schachtelhalm

  • Equisetum arvense
  • Zinnkraut, Katzenwadel, Scheuerkraut
  • (Fam. Equisetaceae, Schachtelhalmgewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Unter den einheimischen Arten der Gattung Equisetum ist der Ackerschachtelhalm die bekannteste Art. Im zeitigen Frühjahr erscheinen zunächst einfache, braune Triebe mit einer Blüte (Sporophyllähre) an der Spitze, welche die Sporen zur Vermehrung entläßt.Erst im Sommer treiben nach dem Absterben der Sporenträger die grünen, unfruchtbaren Triebe aus. Diese sind 20 bis 30 cm hoch, der Länge nach gerippt und tragen quirlförmige, meist 4-kantige und einfache Seitenäste.

Verwandte Kräuter

Equisetum arvense Zinnkraut, Katzenwadel, ScheuerkrautWichtigere Arten neben dem Acker-Schachtelhalm sind in Mitteleuropa u. a. der Riesen- (E. telmateia), Wiesen- (E. pratense), Wald- (E.sylvaticum), Sumpf- (E. palustre) und Winter- (E. hyemale) sowie der Dyces Schachtelhalm (Equisetum x dycei). Zu Heilzwecken dienen nur der Acker- und der Winter-Schachtelhalm.

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Equisetum arvense Zinnkraut, Katzenwadel, ScheuerkrautDie Gattung Equisetum ist ein Relikt der Familie der Schachtelhalmgewächse. Diese hatten ihre größte Entfaltung im Erdmittelalter (Mesozoikum, vor 225 bis 136 Millionen Jahren). Erreichten die damaligen Equiseten Baumhöhen bis zu 30 m, so nehmen sich dagegen die heute lebenden krautigen Schachtelhalmarten bescheiden aus. Der Acker-Schachtelhalm ist überall in den nördlichen gemäßigten Breiten anzutreffen.

Standort

Die mehrjährige, bis 50 cm hohe Pflanze kommt überall auf Kulturland (Äcker, Wiesen) und an Waldrändern vor, vorausgesetzt der Boden ist permanent feucht und lehmig. Dort kann sich der Acker-Schachtelhalm auf Äckern zu einem für den Landwirt lästigen Unkraut entwickeln. Seine bis zu 2 Meter tief in den Boden reichenden, verdickten und bewurzelten Sproßachsen (Speicherorgane) lassen sich durch Pflügen kaum entfernen.

Brauchtum

Brauchtum

Equisetum arvense Zinnkraut, Katzenwadel, ScheuerkrautSchon in antiken Schriften der Römer und Griechen wird der Acker-Schachtelhalm als Heilpflanze erwähnt. So pries der griechische Arzt Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) die adstringierende (= zusammenziehende), harntreibende und speziell die blutstillende Eigenschaft des Schachtelhalms bei Blutungen der Gebärmutter und der Harnorgane. Der Römer Plinius d. Ä. (gest. 79 n. Chr.) vertrat sogar die Auffassung, man brauche die Pflanze nur in der Hand zu halten und schon versiege der Blutfluß.</p<

Im Mittelalter lobte der Kirchenlehrer und Naturforscher Albertus Magnus (ca. 1200 bis 1280) den Ackerschachtelhalm als blutstillendes Mittel und seine wohltuende Wirkung auf die Milz. In der Neuzeit war er in der Volksheilkunde unpopulär und wurde erst durch Pfarrer Kneipp (1821-1897) wiederentdeckt. Neben der blutstillenden Eigenschaft, wie sie seit dem Altertum bekannt war, schätzte er seine positive Wirkung bei Blasenentzündungen, Gallen- und Nierensteinen sowie bei eiternden Wunden und Geschwüren. Auch bei Lungenerkrankungen setzte Pfarrer Kneipp, der selbst als junger Student an Tuberkulose erkrankt war, den Schachtelhalm erfolgreich ein.

Auch in anderen Kulturen wird er als Heilpflanze geschätzt. Die Indianer gebrauchten ihn bei Nieren- und Leberleiden und seine Wurzeln als blutstillendes Mittel, das die auf Reisen stets mit sich trugen. In China und Indien wird der Schachtelhalm zum Reinigen von Blut, gegen Harnwegsinfektionen, bei Nierensteinen und zur Regeneration von Knorpel- und Bindegewebe nach Knochenbrüchen verwendet.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde nimmt man ihn wegen seines Gehalts an mineralischen Salzen auch gegen die Brüchigkeit von Knochen bei älteren Menschen, zur Heilung bei Knochenbrüchen und bei brüchigen Nägeln.

Wissenswertes

Acker-Schachtelhalm wird volkstümlich auch Zinnkraut genannt, weil er früher aufgrund des hohen Kieselsäuregehalts zum Reinigen von Zinngeschirr, aber auch von Messing und Kupfer benutzt wurde. Melker entfernten mit den Wedeln den Milchstein in ihren Milchkannen und Tischler polierten damit die Möbel glatt (Name: Scheuerkraut).

Der Gattungsname Equisetum leitet sich vom lateinischen Wort equus = Pferd und seta = Borste, Haar sowie vom griechischen Wort hippouris = Pferdeschwanz ab, woraus sich die volkstümliche Bezeichnung „Katzenwadel“ entwickelte.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von E. arvense sind 5-8 % Kieselsäure und Flavonoide (Quercetinglykoside). Die Unterscheidung von anderen Equisetum-Arten kann analytisch durch den Nachweis von Dicaffeoyl-meso-Weinsäure, erfolgen. Die wirksamen Substanzen des giftigen Sumpf-Schachtelhalms sind dagegen Alkaloide (Palustrin), außerdem enthält die Pflanze u. a. Kämpferolglykoside und im Vergleich zu E. arvense einen geringeren Anteil Nicotin.

Eigenschaften, Wirkungen

Wirksamer Bestandteil des Schachtelhalms ist vor allem die teilweise lösliche und vom Körper resorbierbare Kieselsäure. Sie sorgt für eine Funktionssteigerung der Leukozyten (= weißen Blutkörperchen), fördert die Blutgerinnung und trägt zur Regeneration von Bindegewebe bei. Die Wirkung im Urogenitaltrakt beruht auf der adstringierenden (= zusammenziehenden, das Gewebe verdichtenden) Wirkung. Schachtelhalm hat außerdem eine schwach harntreibende (diuretische) Wirkung.

Warnhinweise

Equisetum arvense Zinnkraut, Katzenwadel, ScheuerkrautDer Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) und wahrscheinlich auch der Dyces Schachtelhalm (Equisetum x dycei) sind giftig. Die Schachtelhalm-Arten sind nicht leicht zu unterscheiden. Unkundige sollten besonders in Sümpfen und Wäldern auf das Sammeln verzichten.

Die Giftwirkung auch der nicht giftigen Equisetum-Arten beruht zumeist auf einem Befall mit dem Schmarotzerpilz Ustilago equiseti. Er ist an braunen Flecken auf der Pflanze erkennbar und enthält das toxische Alkaloid Equisetin, das dem Körper u. a. Vitamin B1 entzieht. Nach dem Genuß von pilzbefallenem Schachtelhalm treten sowohl bei Tieren (Weidetieren) als auch beim Menschen Vergiftungserscheinungen auf (bei Kühen: Durchfall, Gewichtsverlust, die Milch wird sauer und der Milchfluß versiegt; bei Pferden: unruhiges Verhalten, Muskelzittern und taumelndem Gang, später völlige Erschöpfung; Taumelkrankheit).

Schachtelhalm-Präparate reizen den Verdauungstrakt und sollten bei längerer Anwendungsdauer wie auch bei eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.

Anwendung

Anwendungsgebiet

Equisetum arvense Zinnkraut, Katzenwadel, ScheuerkrautArzneidroge: Equiseti herba (Schachtelhalmkraut)
Innere Anwendung zur Behandlung von Krankheiten des Urogenitaltrakts, z. B. bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege wie Blasen- und Harnröhrenentzündung, bei Nierengries (Harngries) und auch bei Prostata-Erkrankungen. Die Wirksamkeit läßt sich durch klinische Studien noch nicht ausreichend belegen.
Äußere Anwendung bei schlecht heilenden Wunden und Ekzemen.

Anwendungsart

Beim Schachtelhalm sind nur die grünen (sterilen) Stengel – frisch oder getrocknet – verwendbar. Sie sollten in der Zeit vom Mai bis zum Frühsommer geerntet werden, weil das in der Kieselsäure enthaltene Silizium nach Abschluß des Pflanzenwachstums nicht mehr löslich ist. In Bündeln lässt man die Triebe in der Sonne oder bei niedrigen Temperaturen im Backofen trocknen und bewahrt sie dann luftdurchlässig (z. B. in einem Pappkarton) auf. Zur Anwendung wird das Kraut zerkleinert.
Bei der Durchspülungstherapie (innere Anwendung) wird eine mittlere Tagesdosis von 6 g Droge empfohlen, wobei auf reichliche Flüssigkeitszufuhr zu achten ist.
Zur äußeren Anwendung nimmt man 10 g Droge auf 1 Liter Wasser.

Homöopathie

Als Homöopathikum (Equisetum hiemale) verwendet man überwiegend den Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale), dessen Inhaltsstoffe denen des Acker-Schachtelhalms gleichen. Die Anwendung erfolgt zur Anregung der Harnausscheidung unverdünnt, ansonsten in der zweiten bis sechsten Potenz (D2 bis D6); genommen werden mehrmals täglich 5 bis 15 Tropfen.

Produkte

Tee

Aus dem badischen Raum wird der Brauch überliefert, daß junge Männer für das umworbene Mädchen einen Tee aus den Sporenähren des Riesenschachtelhalms (Equisetum maximum) kochten.
Nach der ayurvedischen Heilslehre Indiens soll Schachtelhalm-Tee die Nerven beruhigen und den Geist von übermäßigen feurigen Gefühlen (Pitta-Zuständen) reinigen.

Rezept für Equisetum-Tee:
Für 1 Liter Tee wird etwa 20 g klein geschnittenes frisches oder getrocknetes Kraut benötigt. Man gießt kaltes Wasser darüber und läßt den Tee ca. 30 Minuten kochen. Nach dem Abseihen 2-3 Tassen pro Tag schluckweise trinken. Achtung: Schachtelhalm-Tee ist wie andere harntreibende Tees nicht für Personen geeignet, die aufgrund einer Herz- und Niereninsuffizienz unter Wasserstauungen im Körper leiden.
Ackerschachtelhalm ist auch Bestandteil einiger im Handel erhältlicher Blasen- und Nierentees.

Speisen

Im 16. Jahrhundert berichtete der italienische Arzt und Botaniker Matthioli von dem zur Fastenzeit üblichen Brauch, fertile Sprosse des Acker-Schachtelhalms anstelle von Fisch in Wasser zu kochen und in Mehl gewälzt in der Pfanne zu braten. In Rußland werden die Sporentriebe und die jungen Sprosse im Frühjahr gesammelt und für Suppen, Salate, Aufläufe und Fleischpasteten (Piroggen) benutzt. Ansonsten kennt man in Mitteleuropa offenbar keine Kochrezepte mit dem Schachtelhalm.

Kosmetik

Bei spröden Haaren soll deren Auswaschen mit einem konzentrierten Schachtelhalmaufguß helfen (10 zerkleinerte Stengel auf einen halben Liter Wasser). Auch in manchen Badezusätzen ist der Acker-Schachtelhalm enthalten.

Tipps

Der Schachtelhalm eignet sich vorzüglich zum Polieren von Metallgegenständen, aber auch von Holz.