Aloe

  • Aloe barbadensis, syn. A. vera,Aloe ferox, syn. A. capensis,Aloe variegata
  • Curaçao-Aloe,Kap-Aloe,Tiger-Aloe
  • (Fam. Alliaceae = Liliaceae, Liliengewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Bei den ausdauernden Aloe-Arten handelt es sich um immergrüne Sukkulenten (= an Trockenheit angepaßte Pflanzen), deren Rosetten bildende Blätter in der Lage sind, Wasser zu speichern. Einige Aloe-Arten wie z. B. der Köcherbaum (Aloe dichotoma), Aloe ramoissimus oder die Kapaloe (Aloe ferox) sind baumförmig und tragen am Ende der bis mehrere Meter hohen Stämme oder Seitentriebe einen Blattschopf. Andere dagegen sind schaftlos, wie z. B. die Curaçao-Aloe (Aloe barbadensis) und die meisten in Zimmerkultur gehaltenen Aloen. Ihre roten, weißen oder gelben, manchmal grün gebänderten, hängenden Röhrenblüten finden sich in reicher Zahl an seitenständigen, traubenförmigen bis rispenartigen Blütenständen. Die Kapselfrüchte enthalten zahlreiche schwarze Samen.

Als Heilpflanzen dienen verschiedene Aloe-Arten, von denen die Curaçao-Aloe (Aloe barbadensis) und Kap-Aloe (Aloe ferox mit Hybriden) die größte Bedeutung besitzen. Aloe barbadensis (die Art heißt in Amerika Aloe vera) hat grundständige Rosetten aus dicken, schmal lanzettförmigen, graugrünen Blättern mit kurzen, weißlichen Zähnen an den Rändern. Im Sommer erscheinen an den bis zu 1 m langen Blütenständen gelbe bis orangefarbene, nektarreiche Blüten, die von Vögeln bestäubt werden. Aloe ferox weist bläulichgrüne Blätter von bis zu 1 m Länge auf, deren Oberseite locker und deren Ränder durchgehend mit rötlichen Stacheln besetzt sind. Im Frühjahr erscheinen die orangerot gefärbten Blüten in großer Zahl an langen Blütentrauben.

Die Tigeraloe (Aloe variegata) wird nur in der Homöopathie verwendet. Es handelt sich um eine beliebte und pflegeleichte Zimmerpflanze mit dunkelgrünen, weiß gebänderten, gefleckten oder getupften fleischigen Blättern. Sie bildet im März/April etwa 30 cm lange Blütenstände aus rosa oder scharlachrot gefärbten Röhrenblüten.

Verwandte Kräuter

Aloe barbadensis, syn. A. vera (Curaçao-Aloe) Aloe ferox, syn. A. capensis (Kap-Aloe) Aloe var.egata (Tiger-Aloe)Zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae) gehören auch einige Nahrungspflanzen wie Zwiebel, Lauch und Spargel.
Der Aloe zum Verwechseln ähnlich, aber nicht mit ihr verwandt ist die auf dem amerikanischen Kontinent beheimatete Agave (Fam. Agavaceae). Ein äußeres Unterscheidungsmerkmal bildet der Vegetationspunkt: bei der Aloe erscheinen die Blätter in der Anordnung einer Rosette (selten auch zweizeilig), während sie sich bei der Agave aus einem zentralen Spieß entfalten. Die jährlich erscheinenden Blütenstände der Aloe stehen in den Blattachseln, während sich jene der Agave aus der spießförmigen Mitte entwickeln. Nach Blüte, Frucht und Samenreife stirbt die Agave ab.

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Aloe barbadensis, syn. A. vera (Curaçao-Aloe) Aloe ferox, syn. A. capensis (Kap-Aloe) Aloe var.egata (Tiger-Aloe)Die ca. 300 Aloe-Arten sind ursprünglich in Afrika, Madagaskar und Arabien heimisch. Aloe barbadensis hat sich, vermutlich von Arabien aus, über den Mittelmeerraum und die Kanarischen und Kapverdischen Inseln bis Westindien und nach Osten bis Südchina ausgebreitet. Der Name „Aloe“ ist griechischen Ursprungs. In ihm steckt der in den semitischen Sprachen vorkommende Ausdruck „halal“ für „bitter“.

Standort

Aloe barbadensis, syn. A. vera (Curaçao-Aloe) Aloe ferox, syn. A. capensis (Kap-Aloe) Aloe var.egata (Tiger-Aloe)Typische Standorte der Aloe sind die Trockengebiete Afrikas. Hier trifft man auf die unterschiedlichsten Formen; sie reichen von bis zu 15 m hohen Bäumen mit dicken, wasserspeichernden und oft bedornten Blättern über Stämme mit Blattschöpfen und Bodenrosetten bis zu kleinen, eher unscheinbaren Arten.

Kultivierung

Beide Aloe-Arten stammen aus Afrika. Spanische Siedler brachten Aloe barbadensis nach Mittel-Amerika auf die Westindischen Inseln (Name: „Curaçao-Aloe“) und Bolivien. Curaçao war lange Zeit aber lediglich das Zentrum des Aloe-Exports. Kultiviert wurde dagegen seit 1650 auf Barbados, heute auf der Antilleninsel Aruba, in den nahegelegenen Küstenzonen von Venezuela und subtropischen Gebieten der USA. Aloe ferox stammt aus Kulturen in Süd- und Ostafrika.

Brauchtum

Brauchtum

Aloe barbadensis, syn. A. vera (Curaçao-Aloe) Aloe ferox, syn. A. capensis (Kap-Aloe) Aloe var.egata (Tiger-Aloe)Schon im Altertum (3./2. Jh. v. Chr.) wurden in Babylonien und Indien einige Aloe-Arten, darunter Aloe barbadensis, als Heil- und Räuchermittel verwendet. Im alten Ägypten dienten Aloe-Blätter zum Kühlen von Wunden und zusammen mit Myrrhe zur Konservierung und Einbalsamierung der Toten. Die Juden verwendeten früher das dunkelbraune, wohlriechende und kostbare Aloe-Holz bei der Bestattung. Griechen und Römer pflegten nicht nur zur Verbesserung des Mundgeruchs auf kleinen Aloe-Hölzchen zu kauen, sondern konnten schon das bittere Aloe-Harz herstellen (die beste Aloe-Sorte kam nach Angaben von Dioskurides aus Indien). Im Orient war der Blattsaft von Aloe vera einer der pflanzlichen Opiumzusätze, mit denen die aphrodsiischen Qualitäten des Opiums verstärkt wurden. Amulette aus Aloe boten Schutz vor Krankheiten. Im Himalaya wird Aloe barbadensis wegen ihrer Heilwirkung als „Lebende Göttin“ verehrt. „Weise, Wissende oder Schamanin“ ist die volkstümliche Bezeichnung in Mexiko.

Über arabische Händler gelangten Aloe-Arten dann auch nach Mitteleuropa, wo sie in Arzneigärten kultiviert wurden. Für Heilzwecke verwendete man das klare Blattgel zur Behandlung von Wunden, Geschwüren und Magenbeschwerden; den aus der Blattbasis gewonnenen bitteren Aloeextrakt nahm man als Abführmittel (Bärengalle). Aloepflanzen dienten außerdem zur Abwehr von Schadinsekten (z. B. Holzschutz auf Schiffen). Geigenbauer und Restauratoren fügen ihren Lacken eingedickten Aloesaft hinzu.

Als man in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts erkannte, daß Aloe auch bei Sonnenbrand helfen kann, nahm der Gebrauch von Aloe-Präparaten in der westlichen Welt sehr deutlich zu. Noch heute bietet die Kosmetikindustrie viele Hautpflegemittel und Shampoos an, in denen der Aloe-Extrakt enthalten ist.

Wissenswertes

Versetzt man Aloeharz mit Säure, entsteht Aloinsäure (= Aloebitter), die eine sehr schöne und beständige violette Färbung erzeugt. Wegen dieses Farbstoffs soll Alexander der Große (4. Jh. v. Chr ) die Inselgruppe Sokotra (im Indischen Ozean) erobert haben. Nach anderen Überlieferungen hatte ihm der griechische Philosoph Aristoteles (384-322) zur Eroberung geraten, um die dortigen Aloebestände als Heilpflanzen zu sichern.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Hauptinhaltsstoffe aus dem Saft der Blätter sind Anthrachinone: Aloine (Hydroxyanthracenderivate: Barbaloin, Isobarbaloin) und Aloe-Emodin (0,08 bis 1 %; Anteil stark schwankend) sowie Harze und Bitterstoffe.

Eigenschaften, Wirkungen

Hydroxyanthracenderivate beschleunigen die Darmpassage und wirken somit abführend. Hierbei werden Wasser und Elektrolyte vermehrt abgesondert und es wird weniger Flüssigkeit aufgenommen. Das klare Gel aus dem Aloe-Blatt begünstigt die Heilung von Wunden und Verbrennungen. Es legt sich als Film über die Wunden und soll auch das Immunsystem stärken.

Warnhinweise

Keine innere Anwendung: bei Kindern unter 12 Jahren; während einer Schwangerschaft und in der Stillzeit; bei Darmverschluß und bei akut entzündlichen Darmerkrankungen; bei Nierenbeschwerden und bei Hämorrhoiden.
Nach Überdosierung und bei Dauergebrauch kommt es auch zu einem Mangel an Elektrolyten (vor allem Kalium) und zu Wasserverlust. Mißbrauch mit höheren Dosierungen führt zur Vergiftung (u. a. Darmblutung und schmerzhaftem Stuhlgang, Nierenschädigung mit blutigem Harn, vermehrte Gallensekretion, Uterusblutungen und Fehlgeburt). Schon 8 g des eingedickten Aloe-Saftes wirken tödlich (Kaiser Otto II. starb nach Einnahme von 16 g Aloe an einer Darmentzündung). Naturvölkern in Afrika dient der luftgetrocknete Aloe-Blattsaft als Pfeilgift.
Von einer Verwendung der sogenannten „Schwedentropfen“ (Aloe-Modedroge mit Enzian, Safran, Rhabarber, Zitwer und weiteren Inhaltsstoffen) wird dringend abgeraten.
Äußere Anwendung nur bei kleineren Wunden und Verbrennungen (z. B. leichter Sonnenbrand). Bei allen größeren Wunden und schwereren Verbrennungen ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen!

Anwendung

Anwendungsgebiet

Arzneidroge: Aloe
Aloe-Extrakte regen in niedriger Dosis die Verdauung an und sind etwas höher dosiert ein wirksames Abführmittel. Im Dickdarm werden die stationären Kontraktionen vermindert und die austreibenden verstärkt, wobei es nach spätestens 8 bis 12 Stunden zum Stuhlgang kommt. Äußerlich wird das frische Gel oder dessen Zubereitungen auf Wunden, Verbrennungen, Dermatitis und Ekzeme aufgetragen.

In der Volksheilkunde nimmt man an, daß hierdurch auch die Narbenbildung vermindert wird. Aloesaft gilt als traditionelles Mittel selbst zur Reduzierung von älterem Narbengewebe; die Haut soll hierdurch neue Feuchtigkeit und Zartheit erlangen.

Anwendungsart

Die Gewinnung von sogenanntem „Aloe-Harz“ kann das ganze Jahr über erfolgen. Hierzu schneidet man die fleischigen Blätter quer ab, schichtet sie aufeinander und läßt den wäßrigen und bitter schmeckenden Saft ca. 6 Stunden lang aus den Sekretzellen der Blätter in Gefäße fließen. Der Blattsaft wird durch Trocknen an der Luft oder durch Erhitzen – über offenem Feuer oder in Kupferkesseln – eingedickt. Luftgetrocknet ist er mattbraun und im Handel unter dem Namen „Leberaloe“ (Hepatica-Sorte) erhältlich. Beim Eindicken mit höheren Temperaturen wird der Saft schwarz, glänzend und durchsichtig („glänzende Aloe“, Lucida-Sorte). Mit moderneren Trocknungsmethoden (z. B. Vakuumsprühtrocknung) erhält man ein feines, braunes Pulver.

Dosierung zur Einnahme als Abführmittel: maximal 20-30 mg (Aloe = Hydroxyanthracenderivate) täglich; individuell ist auch eine geringere Dosierung angebracht. Der Urin kann sich rot färben. Warnhinweise unbedingt beachten!
Zur äußeren Anwendung kann man ein frisch gespaltenes Blatt mit der Spaltfläche direkt auf die Verletzung oder Verbrennung legen. Zur Herstellung einer Salbe werden mehrere Blätter gespalten und der Blattsaft zu einer dicken Paste verkocht, die wie frische Blätter verwendbar ist (kühl aufbewahren und alsbald verbrauchen). Bei rissiger Haut, Dermatitis und Ekzemen eignet sich auch ein Breiumschlag aus zerstampften Blättern.
In Indien wird der Aloe-Saft zusammen mit Honig und Gewürzen vergoren (Kumaryasava) und dient als Heilmittel bei Verdauungsstörungen und Leberschäden.

Homöopathie

In der Homöopathie wird neben den verschiedenen Aloe-Arten auch die Tigeraloe (Aloe variegata; Heimat: Südafrika) verwendet. Als Verdünnung wird bei Beschwerden der Verdauungsorgane D3 (Tee) oder D4 empfohlen. Zur äußerlichen Anwendung bei Verbrennungen und schlecht heilenden Wunden in Form von Umschlägen wird die Tinktur 1 : 10 mit Wasser verdünnt.

Produkte

Getränke

Die Aloe-Droge ist in geringer Dosierung nicht nur in vielen Magentropfen enthalten, sondern wird auch Bitterspirituosen als appetitanregendes Bittermittel zugesetzt.

Kosmetik

Im Altertum verwendete man das Blattgel von Aloe vera in Form von Lotionen und Cremes auch zur Körperpflege. Wie es heißt, verdankte Kleopatra auch der Aloe ihre Schönheit.

In den letzten Jahren wurde Aloe besonders als Hautpflegemittel wiederentdeckt. Man kann auf Fertigpräparate zurückgreifen oder eine eigene Mischung herstellen. Geschmeidige Haut soll z. B. die feuchtigkeitsspendende „Aloe vera-Maske mit Zitrone“ bewirken. Hierzu verrührt man 1 Eßlöffel Gel und 1 Teelöffel Zitronenöl und reibt sich Hals und Gesicht ein (Mund und Augen aussparen). Dann einwirken lassen und mit lauwarmem Wasser abwaschen.

Als „wirksamer Bestandteil“ wird Aloe auch Haarshampoos, Akne-, Sonnenschutz- und Aftersun-Mitteln zugesetzt – in den meisten Fällen ist hier ein nachweisbar positiver Effekt, mit Ausnahme der Absatzförderung, nicht zu erwarten.

Tipps

Als Zimmerpflanzen stellen die Aloe-Arten keine besonderen Ansprüche. Die Pflanzgefäße sollten über eine gute Drainage verfügen, weil Staunässe zu Wurzelschäden führt. Während des Wachstums von Frühjahr bis Herbst regelmäßig gießen und mäßig düngen; im Winter weniger gießen. Steht die Aloe in voller Sonne am Fenster, können sich die Blätter rötlich verfärben. Die meisten Arten blühen bei uns im Winter. Da viele Aloe-Arten schon bald sehr groß werden, sind als Zimmerpflanzen vor allem die kleinwüchsigen Arten empfehlenswert (im Handel erhältlich).