Arnika

  • Arnica montana,Arnica chamissonis ssp. foliosa
  • Echte Arnika,Bergwohlverleih,Wolfsblume,Donnerblume,Vogesentabak,Wiesenarnika
  • (Fam. Asteraceae, Korbblütler)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Die Echte Arnika (Arnica montana) ist in Europa die einzige Art der Gattung Arnica, zu der weltweit ca. 30 Arten gehören. Der 30 bis 60 cm hohe Stengel ist einfach oder wenig verzweigt und wie die Blätter drüsig-flaumig behaart. An seinem Grunde bilden die eiförmigen, ganzrandigen Laubblätter, meist 4 an der Zahl, eine Rosette. Weiter oben sitzen kleinere Blätter in 1-2-(3) kreuzgegenständigen Paaren.

Vom Frühjahr bis zum Sommer erscheinen am Ende der Haupt- oder Seitentriebe einzelne, große, goldgelbe Blütenköpfchen aus zungenförmigen Randblüten und inneren, kleineren Röhrenblüten. Die ganze Pflanze verströmt einen charakteristischen Duft, an dem man sie selbst nach dem Verblühen von anderen Gebirgspflanzen mit ähnlichen Blüten (z. B. Großblütige Gemswurz oder Ochsenauge) unterscheiden kann.

Sie überdauert mit einer unterirdischen waagerecht wachsenden, knotig gegliederten Sproßachse (Rhizom = Wurzelsproß, Erdsproß). Diese ist außen braun gelblich und innen weiß. An den Knoten sitzen die eigentlichen Wurzeln. Sie leben in Symbiose mit speziellen Wurzelpilzen, die zur Nährstoffversorgung beitragen.

Weil die Echte Arnika unter Naturschutz steht und schwer zu kultivieren ist, wird zu Heilzwecken vor allem die nordamerikanische Wiesenarnika (Arnica chamissonis, ssp. foliosa) verwendet. Im Vergleich zur Echten Arnika sind die behaarten Stengel bei dieser Art stärker verzweigt. Aus den Achseln der Blätter des obersten Paares entwickeln sich mehrere Seitentriebe, die an ihrer Spitze ein einzelnes Blütenköpfchen – es ist kleiner als bei Arnica montana – hervorbringen.

Verwandte Kräuter

Arnica montana (Echte Arnika, Bergwohlverleih, Wolfsblume, Donnerblume, Vogesentabak) Arnica chamissonis spp. foliosa (Wiesenarnika)Findet man auf Heilkräuter-Handelsware die Angabe „Flores Arnicae, mexikanisch“), dann handelt es sich in der Regel um Anwendungen mit der mexikanischen Pflanzenart Heterotheca inuloides oder deren Unterarten und Sorten. Sie ist mit der Arnika verwandt, wird medizinisch genauso angewendet und enthält als Hauptinhaltsstoff des ätherischen Öls das Cadalin.
Zur artenreichen Familie der Korbblütler gehören außerdem viele einheimische Heilkräuter, z. B. Wermut, Kamille, Beifuß, Huflattich, Löwenzahn, Ringelblume, Benediktenkraut, Dost, Mutterkraut, Schafgarbe, Margerite, Rainfarn, Mariendistel u. a.

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Arnica montana (Echte Arnika, Bergwohlverleih, Wolfsblume, Donnerblume, Vogesentabak) Arnica chamissonis spp. foliosa (Wiesenarnika)Die Echte Arnika kommt vor allem in den hochgelegenen Wiesen der süd- und mitteleuropäischen Gebirge bis in einer Höhe von 2800 m vor. Am häufigsten ist sie in den Matten der Alpen anzutreffen. Außerhalb der Alpen gibt es noch Vorkommen in einigen Mittelgebirgsregionen, z. B. Vogesen, Schwarzwald, Fichtelgebirge, Oberfranken, Odenwald, Taunus, Pfälzerwald und Harz, aber auch in den Niederungen Norddeutschlands bis nach Südschweden.
Das Verbreitungsgebiet der amerikanischen Wiesenarnika reicht von Alaska bis Kalifornien und östlich bis Wyoming, Colorado und New Mexico.

Standort

Arnica montana (Echte Arnika, Bergwohlverleih, Wolfsblume, Donnerblume, Vogesentabak) Arnica chamissonis spp. foliosa (Wiesenarnika)Arnika ist eine anspruchslose Pflanze der Bergregionen. Saure, magere Lehmböden, die auch trocken sein können, werden bevorzugt. Dagegen meidet sie nährstoffreiche und kalkhaltige Böden. Ihr Lebensraum sind ungedüngte Wiesen, lichte Nadelwälder, Heiden und ausgetrocknete Moore.
Die Amerikanische Wiesenarnika wächst vor allem auf sauren Moorwiesen.

Kultivierung

Arnica montana (Echte Arnika, Bergwohlverleih, Wolfsblume, Donnerblume, Vogesentabak) Arnica chamissonis spp. foliosa (Wiesenarnika)In Deutschland, Österreich und in der Schweiz gilt die Echte Arnika in ihrem Bestand gefährdet und ist ganzjährig geschützt. Sie darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.
Ähnlich wie beim Edelweiß scheitern viele Versuche, die Echte Arnika im heimischen Garten anzubauen – vor allem wegen unpassender Lebens- und Umweltbedingungen. Voraussetzungen sind ein sehr heller, möglichst nicht der prallen Sonne ausgesetzter Standort; sandiger und saurer, vor allem aber nährstoffarmer und nicht kalkhaltiger Boden mit den Pilz-Symbionten der Pflanze.
Die Kultivierung von Arnica chamissonis ssp. foliosa ist sehr viel einfacher. Sie wird mittlerweile auch in Mitteleuropa auf Feldern angebaut und ist als Arnika-Handelsware in Form von Anwendungen wie Salben, Cremes und Tinkturen oder getrockneter Pflanzenteile erhältlich.

Brauchtum

Brauchtum

Arnica montana (Echte Arnika, Bergwohlverleih, Wolfsblume, Donnerblume, Vogesentabak) Arnica chamissonis spp. foliosa (Wiesenarnika)Hinweise auf die Verwendung der Echten Arnika als Heilpflanze gibt es schon aus der Antike. So fand man in einem römischen Grab in Köln eine Augensalbe, die Spuren von Arnikablüten enthielt. Schriftliche Aufzeichnungen datieren jedoch erst aus dem Mittelalter. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) erwähnte die Pflanze in ihrem Werk „Physica“ unter der Bezeichnung „Wolfsgelegena“. Die heilende Wirkung von Arnika war ihr aber nicht bekannt. Stattdessen hielt sie das Kraut für ein Mittel, betörenden Liebeszauber zu entfachen.
Der Name „Arnika“ taucht erstmals in Schriften von C. Clusius (1583) auf. Gegen Ende des Mittelalters war die heilende, besonders die wundheilende Eigenschaft der Pflanze weithin bekannt. Vor allem in den Gebirgsgegenden wurde Arnika zum Volksheilmittel. Anwendungen als Tee und Tinktur verwendete man äußerlich bei Verletzungen und innerlich u. a. bei Erschöpfungszuständen, Herzbeschwerden und Rheuma. Goethe soll seine im Alter aufgetretenen Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße mit Arnikatee behandelt haben. Auch Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) war von der außergewöhnlichen Heilkraft der Arnika überzeugt. Seiner Ansicht nach gehört eine Flasche Arnikatinktur in jede Hausapotheke.
In einer Zeit, in der man die Heilwirkung von Pflanzen nicht wissenschaftlich erklären konnte, glaubten die Menschen an deren mystische Kräfte. Alte Namen der Arnika zeugen davon, z. B. Wolfsblume, Donnerblume oder Engelkraut. Wegen der sonnenähnlichen Gestalt ihrer Blüten spielte die Pflanze vor allem im Sonnenwendkult eine große Rolle. Am Johannistag (21. Juni) gepflückte Pflanzen galten als besonders heilwirksam (Name: Johannisblume).

Wissenswertes

Der Name Arnika stammt vermutlich vom griechischen Wort „ptarmica“, was Nieskraut bedeutet (der Blütenstaub kann starkes Niesen auslösen). Die volkstümlichen Bezeichnungen „Wolfsblume“ und „Bergwohlverleih“ gehen auf den Namen „Wolferlei“ zurück, denn die Arnika war das bevorzugte Heilmittel für eine als „Wolf“ bezeichnete Krankheit (Intertrigo = Wundsein in Körperfalten, besonders bei Säuglingen und dicken Menschen). In Frankreich nahm man pulverisierte Arnikablüten als Schnupftabak und nannte die Pflanze im Volksmund auch „Vogesentabak“.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Die Blüten-Inhaltsstoffe der Echten Arnika und der Wiesenarnika sind einander sehr ähnlich, aber nicht genau identisch. Für die Heilwirkung ist dies nicht gravierend; erhebliche Schwankungen der Stoffanteile gibt es bei beiden Arten auch je nach Herkunftsland und Standort.
Hauptinhaltsstoffe sind die Sesquiterpenlactone (0,1 bis 0,27 %) Helenalin, 11,13-Dihydrohelenalin und deren Essigsäure-, Isobuttersäure- , Methylacrylsäure-, Triglinsäure-, Isovaleriansäure- und 2-Methylbuttersäureester sowie 13 verschiedene Flavonderivate (u. a. Quercetin, Isorhamnetin, Isoquercetin, Luteolin-7-glucosid, Astragalin), weiterhin ätherisches Öl (Azulen, Thymol und Thymolderivate), Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Cynarin, Kaffeesäure) und Cumarine (Umbelliferon, Scopoletin).

Eigenschaften, Wirkungen

Bei lokaler äußerer Anwendung wirken die Zubereitungen der Arnika entzündungshemmend, Wundinfektionen verhindernd (antiseptisch) und bei Entzündungen schmerzlindernd. Die lokale Blutversorgung wird verbessert und die Heilung beschleunigt.
Die Einschätzungen der früheren Kommission E des Bundesgesundheitsamts werden heute vielfach angezweifelt, da die therapeutische Wirksamkeit durch allgemein akzeptierte klinische Studien noch nicht bewiesen werden konnte.

Warnhinweise

Es besteht Vergiftungsgefahr durch Überdosierung! Auch äußerlich kann es beim Gebrauch zu hoher Konzentrationen oder bei längerer Anwendung zu Ekzemen oder Hautschäden mit eiterhaltigen Blasen bis hin zum Absterben von Gewebe kommen. Von der innerlichen Anwendung wird völlig abgeraten, weil bei unverdünnter oder zu wenig verdünnter Tinktur toxische (= giftige) Nebenwirkungen auftreten, u. a. Magen- und Kopfschmerzen, Atmungsbeschwerden, Herzklopfen und Schwindelgefühl bis hin zu Lähmungserscheinungen des Nervensystems (besonders des Rückenmarks); bei Schwangeren kann es zur Fehlgeburt kommen.
Die in beiden Arnica-Arten vorhandenen Sesquiterpenlactone (besonders das Helenalin) können allergische Kontaktdermatitiden (Hautreaktionen) hervorrufen, z. B. nach feuchten Umschlägen mit Arnica-Tinktur. Bei einer erworbenen Allergie kommt es sehr oft zur Kreuzallergie mit weiteren Arten der Familie Korbblütler oder anderen Arten mit den Sesquiterpenlactonen, z. B. Lorbeer.
Nicht allein die Arnika-Pflanze, sondern auch die Ausscheidungen der Bohrfliege Trypeta (z. B. Trypeta arnicivora) können giftig wirken oder Allergien auslösen. Die Larven finden sich sehr häufig im Blütenboden der Echten Arnica. Sie sind anfangs hell und werden nach etwa zwei Tagen schwarz, so daß die Blüten an den befallenen Stellen wie verbrannt aussehen. Die Mitverwendung solcher Arnikablüten kann die Wirkstoffzusammensetzung verändern und ist zumeist die Ursache für allergische Hautreaktionen, welche nicht auf die Arnika selbst zurückzuführen sind.

Anwendung

Anwendungsgebiet

<p style="text-align: justify;">Arzneidroge: Arnicae flos (Arnikablüten)
Nur zur äußerlichen Anwendung bei den Folgeerscheinungen von Verletzungen und Unfällen (z. B. Bluterguß, Verstauchung, Zerrung, Prellung, Quetschung, Schwellungen bei Knochenbruch) und rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden. Weiterhin bei Entzündungen der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum und als Folge von Insektenstichen, Furunkulose und Oberflächenphlebitis (Phlebitis = Venenentzündung).

Anwendungsart

Verwendet werden die frischen oder getrockneten Blütenstände von Arnica montana oder Arnica chamissonis ssp. foliosa in ganzer, geschnittener oder pulverisierter, flüssiger oder halbfester Form als Aufguß (2 g Droge auf 100 ml Wasser) oder Tinktur. Für Umschläge wird die Tinktur 3 bis 10-fach und für Mundspülungen 10-fach verdünnt. Salben enthalten max. 20 % Tinktur oder max. 15 % sogenanntes „Arnika-Öl“ (Arnika-Öl = 1 Teil Droge und 5 Teile fettes Pflanzenöl).

Homöopathie

Das Homöopathikum Arnika wird aus dem getrockneten Wurzelstock (Rhizom) hergestellt (aus Artenschutzgründen meist von der Wiesenarnika). Er wird von zwei- bis dreijährigen Pflanzen nach dem Absterben der Blätter im Herbst geerntet und enthält eine etwas andere Wirkstoffzusammensetzung als die Blüten (u. a. Bitterstoff, ätherisches Öl mit Phlorol-Isobuttersäureester und Hydrothymochinon-methylether, Gallussäure und Inulin). In homöopathischen Dosen innerlich angewendet dient Arnika u. a. bei Schmerzen, Verletzungen, Schock, Herz- und Kreislaufproblemen sowie als Kräftigungsmittel nach Infektionskrankheiten. Die verwendeten Potenzen sind D4, D6, D12 oder D30; von einer eigenen Herstellung wird abgeraten.
Zur äußerlichen Anwendung nimmt man das Homöopathikum Arnika extern aus dem frischen, blühenden Kraut. Das Anwendungsgebiet ist wie bei der Arzneidroge. In Apotheken erhältliches Arnica extern wird, sofern nichts anderes angegeben, in einer Verdünnung von 1:3 als Umschlag verwendet.

Produkte

Getränke

In unbedenklichen Konzentrationen ist Arnika z. B. in einigen Kräuterlikören, Kartäuser und der Marke „Aromatique“ enthalten, ansonsten aber als Getränke-Zusatz kaum gebräuchlich.

Kosmetik

Zur äußerlichen Anwendung sind im Handel zahlreiche Präparate, insbesondere Salben und Tinkturen, erhältlich.