Bitterklee

  • Menyanthes trifoliata
  • Wasserklee, Magenklee, Scharbocksklee, Gallkraut
  • (Fam. Menyanthaceae, Fieberkleegewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Der etwa 15 bis 30 cm hohe Bitterklee ist eine ausdauernde Sumpf- und Wasserpflanze mit einem kriechenden, bis zu 3 m langen und 15 mm dicken Wurzelstock. Die Rhizome verlängern sich in kurze, aufsteigende, hohle Stengel, an denen unten schuppenförmige Niederblätter sitzen. Oben befinden sich langstielige, an ein Kleeblatt erinnernde dreiteilige Laubblätter mit stengelumfassender Scheide in wechselnder Anordnung. Noch vor der Blattentfaltung wächst im zeitigen Frühjahr (Mai/Juni) ein langgestielter und blattloser Blütenstand mit dichtblütigen Trauben aus weißen bis rötlich-weißen Blüten. Ihre Blütenkrone hat 5 zurückgeschlagene, bärtige Zipfel; die Bestäubung geschieht durch Hummeln. Die eiförmigen Kapselfrüchte springen im reifen Zustand zweiklappig aufund entlassen zahlreiche schwimmfähige Samen.

Verwandte Kräuter

Nahe verwandt mit der nur den Bitterklee umfassenden Gattung Menyanthes ist die Gattung Gentiana (früher war auch Menyanthes der Familie Enziangewächse = Gentianaceae zugeordnet). Einheimische Heilpflanzen der Enziangewächse sind u. a. der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) und das Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea).

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Menyanthes trifoliata Wasserklee, Magenklee, Scharbocksklee, GallkrautDer Bitterklee ist in Europa, Asien und Nordamerika heimisch und verbreitet.

Standort

Menyanthes trifoliata Wasserklee, Magenklee, Scharbocksklee, GallkrautDie Pflanze gedeiht in flachen stehenden Gewässern, Sümpfen, sumpfigen Wiesen, Flachmooren, Torfstichen und Gräben von der Ebene bis hinauf in die alpine Stufe (1.800-2.400 m). Ihr Lebensraum wurde durch Entwässerung von Gräben, Sümpfen und Mooren stark eingeschränkt. In Deutschland gehört sie zu den geschützten und in Österreich zu den gefährdeten Pflanzen.

Kultivierung

Der frostharte und dekorative Bitterklee wächst auch in Park- und Gartenteichen. Die Vermehrung erfolgt im Frühjahr durch Aussaat, Triebstecklinge oder Wurzelsprosse. Im Sommer werden die Blätter mitsamt dem Stiel geerntet und an der Luft getrocknet.

Brauchtum

Brauchtum

Menyanthes trifoliata Wasserklee, Magenklee, Scharbocksklee, GallkrautIn der Volksmedizin wurde der Bitterklee innerlich zur Appetitanregung, bei Magen- und Darmbeschwerden, zur Behandlung von Galle-, Leber- und Lungenleiden, Wassersucht, Gicht, Migräne, Muskelschmerzen, Hypochondrie, Menstruationsbeschwerden, zur Blutreinigung und gegen Fieber verwendet (Name „Fieberklee“). Wegen seines hohen Gehalts an Vitamin C diente das Kraut als Mittel gegen Skorbut („Scharbocksklee“ von lat. scorbutus) und in der schwedischen Volksmedizin gegen Nierenentzündungen.
Äußerlich angewendet behandelte man Hautausschläge, Flechten, Ekzeme, Muskelschmerzen und Trigeminus-Neuralgien (Gesichtsneuralgie) mit Umschlägen.
Der Bitterklee wurde auch Speisen und Getränken zugesetzt. In Lappland mischte man gemahlene Wurzelsprosse unter den Brotteig. Als Hopfenersatz diente er zum Würzen von Bier. In Lettland diente Bitterklee unter Verwendung von Eisenbeize zum Schwarzfärben von Wolle.

Wissenswertes

Den Namen Menyanthes für den Bitterklee wählte Linné nach griech. „men“ (Monat) und „anthos“ (Blüte) – „Monatsblüte“ bezieht sich entweder auf die Blühdauer – diese kann jedoch auch länger als einen Monat andauern – oder auf eine Anwendung bei Menstruationsbeschwerden. Der wissenschaftliche Artname trifoliatus leitet sich von lat. tri (drei) und foliatus (beblättert) ab. „Klee“ bezieht sich auf die dreizählig gefingerte Blattform.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Hauptkomponente ist der zu den Secoiridoidglykosiden gehörende Bitterstoff Dihydrofoliamenthin, daneben auch Menthiafolin und das Iridoidglykosid Loganin (Menyanthin). Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind Flavonoide (u. a. Rutin, Hyperosid), Phenolcarbonsäuren, Triterpene, Cumarine und Gerbstoffe. Erwähnenswert ist der hohe Gehalt an Vitamin C und Mineralstoffen.

Eigenschaften, Wirkungen

Die Wirkung von Bitterstoffen beruht auf einer Reizung der Geschmacksrezeptoren, wodurch die Speichel- und Magensaftsekretion angeregt werden.
Der Bitterklee unterscheidet sich von weitaus stärkeren Bitterstoffdrogen wie Enzian oder Tausendgüldenkraut u. a. durch seinen Gerbstoffgehalt und würde sich von daher auch zur äußerlichen Wundbehandlung eignen. Hierfür gibt es jedoch wirkungsvollere Mittel als den Bitterklee.
Die Inhaltsstoffe geben keinen Hinweis auf eine Wirksamkeit gegen Fieber („Fieberklee“).

Forschung

Hinweise auf die entzündungshemmende Wirkung der Inhaltsstoffe Dihydrofoliamenthin und Loganin wären eine Erklärung für die volkstümliche Anwendung bei Nierenentzündungen (Glomerulonephritis).Hinweise auf die entzündungshemmende Wirkung der Inhaltsstoffe Dihydrofoliamenthin und Loganin wären eine Erklärung für die volkstümliche Anwendung bei Nierenentzündungen (Glomerulonephritis).

Anwendung

Anwendungsgebiet

Arzneidroge: Menyanthidis folium (Bitterkleeblätter)
Die Anwendung erfolgt bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Reizmagen, Völle- und Druckgefühl.

Anwendungsart

Menyanthes trifoliata Wasserklee, Magenklee, Scharbocksklee, GallkrautVerwendet werden die frischen oder getrockneten oberirdischen Teile der Pflanze oder deren Zubereitung.
Die zerkleinerten Blätter dienen zur Herstellung von Aufgüssen oder bitterschmeckenden Zubereitungen zur innerlichen Anwendung.
Als mittlere Tagesdosis werden 1,5 bis 3 g Droge empfohlen (Faustregel für Bitterklee: 1 Teelöffel sind etwa 0,9 g getrocknete Droge); Zubereitungen entsprechend.

Homöopathie

Zur Herstellung des Homöopathikums Menyanthes nimmt man die frische, blühende Pflanze. Anwendung z. B. bei Nerven- und Kopfschmerzen, Gesichtsneuralgie, Ohrensausen und Muskelzucken in der 1. bis 3. Potenz (D1 bis D3); mehrmals täglich 3 bis 10 Tropfen.

Produkte

Getränke

Die Bitterstoffe des Bitterklees verwendet man bei der Herstellung von Branntweinen, Magen- und Kräuterbittern, Kräuterlikören und Aperitifs (z. B. Boonekamp).

Tee

Zur Herstellung von Bitterklee-Tee übergießt man einen Teelöffel feinzerschnittene Bitterkleeblätter mit ca. 250 ml kochendem oder kaltem Wasser. Nach kurzem Aufkochen (ca. 1 Minute) durch ein Teesieb abgießen. Der Tee wird in kleiner Menge (1/2 Tasse) und schluckweise vor den Mahlzeiten und vor allem ohne Zucker getrunken, um die Wirkung nicht zu beeinträchtigen.
Für einen weniger bitteren Tee empfiehlt sich eine Mischung aus Bitterkleeblättern (ca. 15 g), Pfefferminzblättern (10 g) und Tausengüldenkraut (ca. 5 g): 1 Teelöffel dieser Mischung auf 250 ml kochendes Wasser und 5 Minuten ziehen lassen.