Chinarinde

  • Cinchona pubescens, syn C. succirubra
  • (Fam. Rubiaceae, Rötegewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Der bis 30 m hohe und schlanke Chinarindenbaum mit seiner rundlichen Krone ist immergrün und besitzt große, eiförmige Blätter. Die roten oder weißen Blüten stehen dicht an endständigen Rispen. Aus ihnen entwickeln sich Früchte mit länglichen, oft rötlichgefärbten Kapseln.
Die Stammrinde besteht aus 30 bis 50 cm langen und 2 bis 6 cm dicken Röhren oder Halbröhren mit rauher, in Quer- und Längsrichtung gefurchter bräunlichgrauer Oberfläche; die Innenseite ist längsgestreift und rötlich.
Es gibt etwa 40 weitere Arten, Varietäten und Hybriden, die sich zum Teil auch therapeutisch verwenden lassen. Chinarinde liefern: C. officinalis (gelbe Chinarinde), C. micrantha und C. pitayensis.

Verwandte Kräuter

Cinchona pubescens, syn.C. succirubraZu den Rötegewächsen gehören auch Kaffee und Waldmeister.

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Cinchona pubescens, syn.C. succirubraDie Heimat des Chinarindenbaums ist das westliche Equador und das nördliche Peru, weitere Vorkommen gibt es in Bolivien und Chile.

Standort

Der Chinarindenbaum ist vor allem in der tropischen Nebelwaldzone der Anden, überwiegend in Höhen zwischen 600 bis 1500 m (max. 3700 m), verbreitet.

Kultivierung

Heute wird der Chinarindenbaum in Indonesien und Malaysia in Plantagen kultiviert, aber auch in anderen Erdteilen, z. B. in Ostafrika (Zaire) und zu geringem Anteil in Südostasien und Australien.
In den traditionellen Kulturen wird der Baum durch Samenoder Stecklinge vermehrt. Nach 6 bis 8 Jahren schält man die Rinde von Stamm, Zweigen und Wurzeln und trocknet sie in der Sonne; manchmal noch zusätzlich bei etwa 80 °C in technischen Anlagen. Der Baum würde nun absterben und wird zuvor gefällt. In manchen Plantagen verwendet man wenige Jahre später auch die ausgetriebenen Stockschößlinge.
In modernen Kulturen werden überwiegend Zuchtformen (taxonomisch schwer definierbare vegetative Hybriden) angebaut. Von Bedeutung sind hierbei drei Typen: C. calysaya, C. ledgeriana und C. succirubra.

Brauchtum

Brauchtum

Schon die Indianerstämme der Anden nutzten die Heilwirkung des Baumes und verwendeten die Rinde seit Jahrhunderten als Fiebermittel. Entdeckt wurde das Mittel wahrscheinlich durch die Beobachtung, daß kranke Tiere die Wurzel und Rinde eines ganz bestimmten Baumes (nämlich des Chinarindenbaumes) anknabberten und davon gesund wurden.
Nach der Erstbeschreibung durch einen Jesuitenpater (1633) nahm man das Mittel bei Fieber und Verdauungsproblemen („Jesuitenrinde“). Noch im 17 Jh. heilte dann der Brite Sir Talbor mit einer mysteriösen Therapie die spanische Königin wie auch den Sohn von Ludwig XIV. vom Fieber. Das Geheimnis – Pulver des Chinarindenbaums mit Wein vermischt – wurde erst Jahre später aufgedeckt. Von diesem Zeitpunkt an kümmerte man sich intensiv um die neue Medizin und 1820 konnte der Wirkstoff Chinin dann von Pelletier und Caventou erstmals aus der Rinde isoliert werden.

Wissenswertes

Der deutsche Name ist abgeleitet von „quina“ (dem indianischen Wort für Rinde) und auch die Inkas nannten sie „Kina“. Chinchona (wiss. Name Cinchona) war die Gattin des Vizekönigs von Peru (Chinchon); der Legende nach wurde sie durch Chinarinde vom Fieber geheilt.
Die Wirkung der Chinarinde war für den Landarzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) ein Schlüsselerlebnis. Im Selbstversuch (1790) bekam er nach der Einnahme des Mittels typische Malariasymptome, obwohl er selbst nicht an Malaria erkrankt war. Nach weiteren Versuchen mit anderen Personen und Substanzen stellte er anhand der häufigsten Symptome (Schlüsselsymptome) ein Symptom- oder Arzneimittelbild auf. Damit hatte er das Prinzip des Hippokrates „Ähnliches heilt Ähnliches“ wiederentdeckt. Durch die Erkenntnis, jenes Heilmittel in kleinen und kleinsten Gaben anzuwenden, das „eine andre, möglichst ähnliche Krankheit zu erregen imstande ist“ (similia similibus currentur), gilt er als Begründer der Homöopathie (griech. homoios = ähnlich; pathos = Leiden).

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Hauptinhaltsstoffe der Chinarinde sind 2 bis 14 % bittere Alkaloide (von den etwa 30 verschiedenen sind am wichtigsten:1-3 % Chinin, bis 4 % Chinidin, 2-8 % Cinchonin, 1,25-8 % Cinchonidin) und Bitterstoffglykoside (Chinovin). Die Alkaloide sind überwiegend an organische Säuren (Chinasäure) und Gerbstoffe gebunden.

Eigenschaften, Wirkungen

Die Bittermittel der Chinarinde wirken durch Förderung der Magensaftsekretion appetitanregend und positiv auf den Verdauungstrakt. Chinin und noch mehr das Chinidin bewirken eine Herzberuhigung durch Verringerung der Herzfrequenz. Während Chinarinde in therapeutischen Dosen weitgehend ohne Nebenwirkungen ist, muß das fiebersenkende, krampflösende und antibakteriell wirkende Chinin (heute synthetisch hergestellt) mit Vorsicht verwendet werden.
Bis 1925 war Chinin das einzige Mittel gegen Malaria, später wurde das synthetisch hergestellte Chloroquin bevorzugt. Nach Resistenzbildung der Malariaerreger wird heute auch wieder das Chinin angewandt. Chinin und Chinidin (fiebersenkend, antibakteriell) sind in geringer Dosis in vielen Grippe- und Bronchitismitteln enthalten, wirken auch krampflösend und dienen als Herzmittel. Da Chinarinde den Speichelfluß und die Bildung von Verdauungssäften anregt, wird sie als appetitanregendes Bittertonikum verwendet, z. B. in Form von Tees und alkoholischen Kräuterbittern.

Warnhinweise

Bereits bei relativ kleinen Mengen von Chinin kann Schüttelfrost, Fieber und Hautausschlag auftreten (Chininfieber). Überdosierung führt zur Chininvergiftung. Schwangere sind besonders gefährdet. Gegenanzeige auch bei Magen- und Darmgeschwüren und bei Chinin/Chinidin-Überempfindlichkeit (Allergie). Die Wirkung von gerinnungshemmenden Substanzen wird verstärkt. Bei der Verwendung in Getränken ist die Sicherheit des Verbrauchers durch gesetzlich verordnete Höchstmengen gewährleistet. Zudem wird äußerst wenig benötigt, denn der bittere Geschmack kann vom Menschen schon in geringsten Konzentrationen (0,000001 mol/l) wahrgenommen werden.

Anwendung

Anwendungsgebiet

Arzneidroge: Cinchonae cortex
Anwendung gegen Appetitlosigkeit und auf die Ernährung zurückzuführende Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl.

Anwendungsart

Als Tagesdosis (Richtwert) nimmt man 1 bis 3 g der zerkleinerten Droge oder 0,6 bis 2 g des Chinafluidextrakts (mit 15 bis 20 % Gesamtalkaloiden) oder 0,15 bis 0,6 g Chinaextrakt (15 bis 20 % Gesamtalkoloide); Zubereitungen entsprechend.

Homöopathie

Das Homöopathikum aus der Chinarinde wird China genannt und dient in niederen Potenzen (D2, D3) bei Schwächezuständen, Magenschwäche, Völlegefühl, Blähungen und Durchfall sowie nach Operationen als Kräftigungsmittel; in höheren Potenzen (D3 bis D6) bei Anfällen von Übelkeit und Erbrechen, Anämie, Appetitlosigkeit, Fieber und Herzjagen.

Produkte

Getränke

Schon bald nach den ersten Anwendungen des Chinins stellte man fest, daß dieses nicht allein als Malariamittel zu gebrauchen war, sondern in geringer Dosierung auch kurzfristig die Muskelkraft heraufsetzen kann. Diese Kenntnis nahmen einige Spirituosenhersteller zum Anlaß für die Herstellung eines neuen chininhaltigen Aperitifs, den sie „Quinquina“ oder „Chinawein“ nannten. Noch heute wird Quinquina als französische Spezialität vertrieben, Markennamen sind z. B. Byrrh, St. Raphael, Dubonnet, Lillet und Cap Corse.
Chinarinde ist auch einer der vielen Wirkstoffe in einigen Vermouth-Weinen sowie in Bitter-Aperitifs (z. B. im „China Martini“ Liquore), in Kräuterbittern, Aromatique und Stonsdorfer. Angostura – einen alkoholstarken Bitter mit Chinarinde – nimmt man vor allem zum Aromatisieren von Cocktails. Chinarinde wird auch einigen Erfrischungsgetränken (z. B. Bitter Lemon) als Bitterstoff zugegeben.

Tee

Chinarinden-Tee: 1 gestrichenen Teelöffel Chinarinde auf 1/4 l kochendes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Tagesdosis: bis drei Tassen täglich. Trinkt man ihn eine halbe Stunde vor dem Essen, spürt man seine appetitanregende Wirkung.