Kurkuma (Curcuma)

  • Curcuma longa, syn. C. domestica,Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza
  • Kurkuma,Javanische Gelbwurz,Gelbwurz, Indischer Safran, Turmerik
  • (Fam. Zingiberaceae, Ingwergewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Curcuma longa ist eine ausdauernde und krautige Pflanze mit aufrecht stehenden und lanzettförmigen, bis 1 m hohen Blättern. Die breitlippigen, weißgelblichen bis gelben Blüten stehen in taschenartigen Hochblättern und bilden 10-15 cm lange, zapfenähnliche Blütenstände. Die Frucht ist eine kugelige Kapsel. Das knollige Rhizom (Wurzelstock) besteht aus einem rundlichen Haupttrieb mit Wurzeln (deren Enden oft zu Knollen verdickt sind) und walzen- oder fingerförmigen, unbewurzelten Seitentrieben.
C.zanthorrhiza ist ähnlich; bei enger chemischer Verwandtschaft bestehen geringe Unterschiede zu C. longa vor allem bei den Inhaltsstoffen und der Aufbereitungsart der Droge (wird nicht gekocht).

Bei der Javanischen Gelbwurz unterscheidet sich die wissenschaftlich-botanische Benennung (C. Zanthorrhiza) von der pharmazeutisch-phytochemischen Schreibweise (C. xanthorrhiza).

Verwandte Kräuter

Viele Arten der Fam. Zingiberaceae werden als Gewürze, Heilpflanzen oder Färbemittel verwendet, darunter allein 40 Arten der Gatt. Curcuma, z. B. C. amada (Safranwurz), C. zedoaria (Zitwerwurzel), C. aromatica, C. angustifolia, C. rubescens, C. leucorrhiza und in China C. wenyujin (Yu Jin). Beispiele aus anderen Gattungen sind Zingiber officinale (Ingwer), Z. zerumbet, Alpinia-Arten (Galgant: A. officinarum, A. galgana), Elettaria cardamomum (Kardamom), Kaempferia (K. galgana, K. rotunda) und verschiedene Aframomum-Arten, z. B. A. melegueta (Paradieskörner).
Nicht verwandt ist die zur Familie der Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse) gehörende Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), eine nordamerikanische Heilpflanze (u.a. bei Schleimhautentzündungen).

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

C. longa ist im tropischen Asien und hier besonders in den Monsungebieten Indiens beheimatet. Die Pflanze wird seit Jahrtausenden kultiviert; eine Wildform ist unbekannt. C. zanthorrhiza stammt aus dem tropischen Südostasien, gedeiht aber auch in subtropischen Gebieten.

Standort

In den tropischen Wäldern wachsen die Pflanzen bevorzugt an sonnigen und feuchten Standorten ohne Staunässe.

Kultivierung

Curcuma longa, syn. C. domestica (Kurkuma) Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza (Javanische Gelbwurz) Gelbwurz, Indischer Safran, TurmerikWichtige Anbauländer von Kurkuma in Feldkulturen sind in erster Linie Indien, aber auch China, Indonesien, Taiwan, Vietnam, Java, die Philippinen, Haiti und einige südamerikanische Länder (z. B. Peru). Indien verbraucht den überwiegenden Teil der Kurkuma-Ernte im eigenen Land. Die bedeutendsten Importländer sind der Iran und arabische Staaten, Japan und die USA.
Die empfindlichen Kulturpflanzen benötigen tropisches Klima mit Temperaturen nicht unter 15-18 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit. Man vermehrt sie vegetativ aus den Seitentrieben des Wurzelstocks. Am Ende einer etwa zehnmonatigen Wachstumsperiode werden die neugebildeten Rhizome (Wurzelstöcke) geerntet, gekocht und an der Sonne getrocknet (Details unter „Anwendungsart“).
In den gemäßigten Zonen werden viele Zingiberaceen vor allem wegen ihrer wunderschönen Blüten in Warmhäusern und Wohnungen als Zierpflanzen gehalten, z. B. die verschiedenen Arten von Hedychium (z. B. H. gardnerianum, H. flavum), Kaempferia (Gewürzlilie), Costus und Roscoea (Ingwerorchidee), Alpinia (besonders A. speciosa) und auch Zierformen von Curcuma. Wenn die in Treibhäusern gezogenen Kurkuma-Zierpflanzen in unseren Wohnungen so schlecht gedeihen, liegt dies zumeist an fehlender Luftfeuchtigkeit.

Brauchtum

Brauchtum

Curcuma longa, syn. C. domestica (Kurkuma) Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza (Javanische Gelbwurz) Gelbwurz, Indischer Safran, TurmerikGewürz-, Heil- und Färbepflanzen aus der Gatt. Curcuma werden in Süd- und Südostasien seit mindestens 5.000 Jahren kultiviert. In altindischen Kulturen galten sie als heilig und die Ureinwohner bemalten sich bei verschiedenen Riten mit den Farbstoffen. Zahlreiche Anwendungen in der indischen und seit dem 7. Jh. auch in der chinesischen Heilkunst (Yu jin) sind überliefert, u. a. innerlich bei Verdauungsbeschwerden, Galle- und Lebererkrankungen, äußerlich bei Prellungen, Wunden, Hauterkrankungen und eiternden Augenentzündungen.
Nach Südeuropa soll Kurkuma im 1. Jh. v. Chr. über Griechenland eingeführt worden sein, war den Arabern aber schon lange zuvor bekannt. Hildegard von Bingen (1098-1179) erwähnte die Pflanze noch nicht. Marco Polo (1254-1324) beschrieb eine in Südostasien vorgefundene Kurkuma und brachte sie auch nach Mitteleuropa. Nennenswerte Bedeutung in der Heilkunst hat sie hier jedoch nicht erlangt und fehlt auch in den Schriften bedeutender Heilkundiger, z. B. beim Botaniker Leonhart Fuchs (1501-1566), in den Beschreibungen der Hausarzneimittel von Hufeland (1847) oder im Heilpflanzenbuch von Schlitzberger (1899).

Wissenswertes

Curcuma longa, syn. C. domestica (Kurkuma) Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza (Javanische Gelbwurz) Gelbwurz, Indischer Safran, TurmerikDas leuchtend gelbe Curcumin (färbender Hauptbestandteil im Wurzelstock) ist in Asien seit altersher ein wichtiges Färbemittel und der einzige gelbe Naturfarbstoff, mit dem sich Baumwolle, Seide oder Leder direkt, d. h. ohne Beize färben lassen. Weil dieFärbung nicht lichtecht ist, wird sie für Tuche nur noch selten verwendet (neben Safran z. B. für die Roben buddhistischer Mönche), wohl aber als Lebensmittelfarbstoff (Butter, Käse, Backwaren, Likör) und für Holz (z. B. Holzspielzeug), Papier, Salben und Wachs.
Der Name „Gelbwurz“ bezieht sich auf die färbende Eigenschaft. Kurkuma läßt sich von dem arabischen Wort „kurkum“ = Safran herleiten. Safran färbt ähnlich, hat aber ein völlig anderes Aroma und ist wesentlich teurer. Eine Alternative ist das ebenfalls gelbfärbende Annatto aus dem Samenmantel von Bixa orellana (Fam. Bixaceae).

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Curcuma longa, syn. C. domestica (Kurkuma) Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza (Javanische Gelbwurz) Gelbwurz, Indischer Safran, TurmerikDie wichtigsten Bestandteile des Rhizoms (Wurzelstocks) sind ätherische Öle, rotgelbe Farbstoffe (Curcuminoide), Stärke (30-40 %), Mineralstoffe und bei C. longa auch Zucker.
Hauptkomponente des ätherischen Öls (2-7 %) ist bei C. longa das Sesquiterpen (ar-, alpha- und beta-) Turmeron, daneben Turmerol, beta-Curcumen und weitere Substanzen. Im ätherischen Öl von C. zanthorrhiza (3-12 %) dominieren die Sesquiterpene ar-Curcumen und Xanthorrhizol.
Die Farbstoffe (C. longa 3-5 %; C. zanthorrhiza 1-2 %) bestehen überwiegend aus Curcumin, weiterhin Mono- und Bisdemethoxycurcumin (fehlt bei C. zanthorrhiza).
„Curcumin“ nennt man auch ein aus dem Wurzelstock gewonnenes Gemisch von drei Farbstoffen (Dicinnamoylmethanderivate), die chemisch sehr ähnlich sind und von denen das Curcumin mit einem Anteil von ca. 60 % am wichtigsten ist.

Eigenschaften, Wirkungen

Der Geschmack bewirkt eine Stimulation sekretorischer Drüsen, z. B. der Speichel- und Bauchspeicheldrüsen. Ätherische Öle und Curcuminoide beider Curcuma-Arten regen die Leberzellen zu vermehrter Sekretion von Gallensäuren an.

Warnhinweise

Bei Verschluß der Gallenwege oder bei Gallensteinleiden sollte auf Kurkuma verzichtet werden. Bei längerem Gebrauch können Magenbeschwerden auftreten.

Anwendung

Anwendungsgebiet

a) Arzneidroge: Curcumae longae rhizoma (Curcumawurzelstock von Curcuma longa, Gelbwurz)
b) Arzneidroge: Curcumae xanthorrhizae rhizoma (Curcumawurzelstock von Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza, Javanische Gelbwurz)
Früher verwendete man C. zanthorrhiza medizinisch und C. longa überwiegend als Gewürz und Farbstoff. Heute werden beide Pflanzen als gleichwertig angesehen. Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden (dyspeptische Beschwerden), z. B. Völlegefühl nach Mahlzeiten, Blähungen und Sodbrennen sowie bei Gallenleiden.
Die volkstümlichen Anwendungen, z. B. innerlich bei Erkältungen (Fieber, Bronchitis), Wurmbefall, Kopfschmerzen, Nieren- und Blasenentzündungen; äußerlich bei Entzündungen (Wunden, Haut, Augen, Mundschleimhaut) und Prellungen, sind nicht belegt.

Anwendungsart

Curcuma longa, syn. C. domestica (Kurkuma) Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza (Javanische Gelbwurz) Gelbwurz, Indischer Safran, Turmerika) Bei C. longa werden die Rhizome (Wurzelstöcke) 45-60 Minuten gekocht und anschließend 5-7 Tage an der Sonne getrocknet. Durch das Erhitzen verkleistert die vorhandene Stärke. Der Farbstoff in den Sekretzellen verteilt sich im ganzen Rhizom, das sich im Querschnitt gleichmäßig gelb färbt und hornartig verfestigt. Das gelbe Kurkumapulver gewinnt man durch Mahlen des Zentralzylinders nach dem Schälen oder Abreiben der Rinde.
Die Inhaltsstoffe der getrockneten Droge enthalten mindestens 3,0 % Curcumin und 3 % ätherisches Öl. Die mittlere Tagesdosis für die Einnahme zerkleinerter Drogen und Zubereitungen beträgt 1,5-3,0 g Droge.
b) Die Rhizome von C. zanthorrhiza werden nicht gekocht oder gebrüht und enthalten somit keine verkleisterte Stärke. Als mittlere Tagesdosis für Aufgüsse und andere Zubereitungen zum Einnehmen werden 2 g Droge empfohlen.
Der aromatische, bei C. longa ingwerähnliche Geschmack ist leicht bitter (C. zanthorrhiza) bis brennend bitter (C. longa); Speichel färbt sich beim Kauen gelb.

Homöopathie

Das Homöopathikum Curcuma nimmt man besonders zur Förderung der Gallesekretion in den Potenzen D1 bis D3, 3 bis 5mal täglich 5 Tropfen. Früher diente es auch zur Behandlung der Gelbsucht (wegen seiner Farbe: Gleiches wird mit Gleichem kuriert).

Produkte

Tee

Rezept für einen Gallenblasentee: je 20 g Kurkumapulver, Pfefferminzblätter und Kamille mischen; 2 Teelöffel der Mischung mit 200 ml heißes Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen und durch ein Sieb geben. Dosierung: täglich 3 Tassen zu den Mahlzeiten.
Die Verwendung eines reinen Kurkumatees ist unüblich, aber möglich: 0,5-1,0 g Kurkuma auf eine Tasse kochendes Wasser, 5 Min. stehen lassen und abgießen.

Speisen

Curcuma longa, syn. C. domestica (Kurkuma) Curcuma zanthorrhiza, syn. C. xanthorrhiza (Javanische Gelbwurz) Gelbwurz, Indischer Safran, TurmerikBesonders in der asiatischen Küche zählen C. longa und C. aromatica zu den gebräuchlichsten Gewürzen. Zur Färbung von Speisen ist Curcuma aufgrund des starken Geschmacks nur eingeschränkt verwendbar (z. B. für Senf). Den zugelassenen Lebensmittelfarbstoff Curcumin (E 100) nimmt man u. a. zum Färben von Gebäck oder Likören.
Man verwendet Kurkuma als Gewürz z. B. zu Reis und Pilaws, Kedgeree, Eierspeisen, Geflügel- und Fischgerichten, Ragouts und Meeresfrüchten. In den USA nimmt man es u. a. auch zu Schalentieren und Fleischgerichten, in England zum Würzen von Gemüse (Blumenkohl und Kartoffeln) und Essiggemüse (z. B. der eingelegten Senfpickles Piccalilli) sowie als Zusatz von Saucen (z. B. Worcestershire-Soße, Salatdressings). In Mitteleuropa ist Kurkuma als Einzelgewürz nur wenig gebräuchlich und wird fast ausschließlich gemahlen oder als Bestandteil von Gewürzmischungen angeboten.
Der gemahlene Wurzelstock ist unverzichtbarer Hauptbestandteil von Curry. Curry-Gewürzmischungen („masalas“) bestehen aus mindestens 6 Komponenten (Kurkuma, Ingwer, Pfeffer, Koriander, Kreuzkümmel, Chilies) und vielfach weiteren Gewürzen, z. B. Kardamom, Nelken, Muskat und Zimt.
Aufgrund des hohen Stärkegehalts dient C. longa nicht nur als Gewürz, sondern auch als Nahrungsmittel. Das daraus gewonnene Stärkemehl ist in Indien im Handel.

Kosmetik

In Indien verwendet man eine Auflage aus Kurkuma-Brei als Schönheitsmaske. Hierdurch bekommt die Haut einen gelblichen Farbton: die Nachahmung ist daher nicht empfehlenswert.

Tipps

Kurkumagewürz sollte man nur in kleinen Mengen kaufen, weil es sehr schnell das Aroma verliert. Luftdicht verschlossen, kühl und dunkel aufbewahren. Qualitätsmerkmal des getrockneten Kurkuma-Rhizoms ist eine tief orange-gelbe Farbe an der frischen Bruchstelle. Auf ausländischen Märkten wird Touristen oft erstaunlich preiswertes Safran-Pulver (Crocus sativus) angeboten, das allzu oft aus Curcuma („Indischer Safran“) besteht. Hier hilft eine einfache und schnelle Probe: Safran-Pulver färbt in Wasser sofort intensiv gelb, Kurkuma-Pulver hingegen kaum oder gar nicht (Crocin, der Farbstoff des Safrans ist wasserlöslich und die Curcuminoide des Kurkumas eher fettlöslich). Allein auf diesen Tipp sollte man sich aber nicht verlassen, denn die Möglichkeiten der Safran-Fälschung sind überaus vielfältig.