Oleander

  • Nerium oleander, syn. Nerium odoratum
  • Rosenlorbeer
  • (Fam. Apocynaceae, Immergrün- oder Hundsgiftgewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Der Oleander ist ein immergrüner, 3-6 m hoher Baum oder Strauch. Seine lanzettlichen und lederartigen, 10-15 cm langen Blätter stehen meist in dreizähligen Quirlen (auch zweizählig gegenständig und vierzählig). Sie sind oben dunkler als auf der Unterseite und besitzen einen starken Mittelnerv, von dem aus fast parallel verlaufende Seitennerven wegführen. Zwischen Juli und September bilden sich in trugdoldigen, endständigen Rispen große weiße bis rote, teils duftende Blüten mit trichterförmigem Kelch. Alle Pflanzenteile führen Milchsaft. Die Früchte sind ca. 15 cm lange schotenartige, rötlichbraune Kapseln; sie enthalten zahlreiche Samen mit einer Haarkrone an der Spitze.
Bei den Blättern besteht Verwechslungsgefahr mit dem Gewürzlorbeer (Laurus nobilis) und Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus).

Verwandte Kräuter

Die Fam. Apocynaceae umfaßt überwiegend tropische Regenwaldbäume, Sträucher, Lianen und einige Stauden der gemäßigten Breiten (z. B. die als Bodendecker beliebte Gartenpflanze Vinca minor, Kleines Immergrün). Mehrere Arten enthalten – wie auch derOleander – Herzglykoside (z. B. Thevetia, Strophantus, Cerbera, Apocynum,). Bei anderen (z. B. Landolphia, Carpodinus, Hancornia) dient der Milchsaft zur Kautschukgewinnung. Zierpflanzen sind neben dem Oleander z. B. Allamanda (Dschungelglocke), Thevetia („Gelber Oleander“), Amsonia, Plumeria, Carissa und Mandevilla.
Wegen ihrer blutdrucksenkenden und beruhigenden Wirkung ist vor allem die indische Rauvolfia serpentina eine gefragte Heilpflanze (Rauwolfiawurzel).

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Die Heimat des Oleanders erstreckt sich vom Mittelmeergebiet und der Schwarzmeerküste bis nach Zentral- und Ostasien; Vorkommen auch in Südamerika. In den westlichen und küstennahen Gebieten des Nahen Ostens (Südtürkei, Libanon, Israel) zählt er neben Olive, Feige und Myrte zu den charakteristischen Sträuchern.

Standort

Die Pflanze gedeiht in mildem Klima an geschützten Stellen. Geeignet sind Alluvialböden, Kies oder Sand mit ausreichender Feuchtigkeit (wassernahe Standorte; oft an Wasserläufen).

Kultivierung

Oleander wird überwiegend als Zierpflanze kultiviert. In Südeuropa ziert er das Freiland, in Mitteleuropa ist er seit Mitte des 16. Jhs. eine beliebte Topf- und Kübelpflanze.

Brauchtum

Brauchtum

In der arabischen Medizin waren Oleanderblätter noch geschätzt, verloren ihre Bedeutung als Heilmittel aber in der Antike. Damals wurden dem frisch gekelterten, noch ungegorenen Wein auch Kräuter, z. B. Oleandersprossen, Wacholderzweige, Efeublätter oder Opium beigegeben. In besonderen Mischungen (medizinischen Weinen, oft mit Oleander) sollte er auch durch giftige Tiere verursachte Bißwunden heilen, besonders Schlangenbisse. Den Wein trank man aber nicht wie heute unvermischt, sondern im Verhältnis von 1 : 3 mit Wasser verdünnt. In der Spätantike diente der Oleander vor allem als Duftstoffpflanze. Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) beschrieb auch seine Giftigkeit. Mittelalterliche Schriften erwähnen den Oleander nur vereinzelt: „Die bletter und blumen des Oleanders tödten die hund, esel und andre vier füssige thier mehr. Aber mit wein ingenomen und getruncken, seind sie den menschen ein heylsam artzney wider die biss der gifftige thier…“ (L. Fuchs, 1543). Im 19. Jh. zählte man ihn zu den „narkotischen Mitteln“. Traditionell wurde die Pflanze auch als Insektizid, Ratten- und Mäusegift verwendet.

Wissenswertes

Der Name „Oleander“ läßt sich auf lat. „olea“ (Ölbaum/Olivenbaum) in Verbindung mit griech. „dendron“ (Baum, Strauch) oder aufgrund der ähnlichen Blattform mit lat. „laurus“ und „lorandum“ (Lorbeerbaum) herleiten („Rosenlorbeer“). „Nerium“ wird auf den griechischen Meergott Nereus und seine Töchter, die Nereiden, zurückgeführt (wohl wegen dem bevorzugten Standort der Pflanze in Meeresnähe).

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Hauptinhaltsstoffe sind verschiedene Cardenolidglykoside (etwa 1-2 %), darunter das Hauptglykosid Oleandrin (bis 1 % in den Blättern); außerdem Flavonolglykoside.
Der Cardenolidgehalt ist zur Blütezeit am höchsten und in Pflanzen mit roten Blüten höher als in solchen mit weißen Blüten.

Eigenschaften, Wirkungen

Die Inhaltsstoffe (Digitaloide) sind sogenannte „Herzglykoside II. Ordnung“ und ähneln chemisch den Glykosiden des Fingerhuts (Digitalis). Sie steigern die Schlagstärke oder Kontraktionskraft des Herzens (positiv inotrop), vermindern aber die Herzfrequenz (negativ chronotrop). Die Droge wirkt außerdem stark harntreibend.

Warnhinweise

Alle Pflanzenteile sind giftig. Bei Aufnahme größerer Mengen der Pflanze (mehr als 1 Blatt oder Blütenblatt) werden Zunge und Rachen gefühllos; es kommt zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Krämpfen, starken Herzrhythmusstörungen und Atemlähmung. Der Tod kann schon nach 2-3 Stunden eintreten. Vergiftungen mit Todesfolge sind z. B. nach der Einnahme von Tee aus Oleanderblättern aufgetreten. Die Verwendung des Holzes als Fleischspieß führt in Florida regelmäßig zu Vergiftungen. Giftstoffe können auch im Blütenhonig vorhanden sein.
Kontraindikationen sind u. a. Kaliummangel, Herzinfarkt und infektiöse Herzmuskelentzündung. Zu beachten sind Unverträglichkeiten bei der gleichzeitigen Anwendung einer Vielzahl von Heilmitteln und Medikamenten.

Anwendung

Anwendungsgebiet

Arzneidroge: Oleandri folium (Oleanderblätter)
Anwendung bei Herz- und Hauterkrankungen in Kombinationen mit Herzglykosiddrogen. Die Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt.

Anwendungsart

Verwendet werden die Laubblätter und deren Zubereitungen in Form von Kombinationspräparaten (z. B. mit Extrakten aus Maiglöckchen, Adoniskraut oder Meerzwiebel).
Da der Gehalt an Wirkstoffen (Oleandrin) und die biologische Wirksamkeit nicht in Einklang stehen, kann eine Dosierung nicht angegeben werden.

Homöopathie

Homöopathische Zubereitungen von Oleander bestehen aus den frischen, vor Beginn der Blüte gesammelten Blättern. Die Urtinktur oder D1 nimmt man z. B. bei Herzschwäche, D2-D3 bei Angina pectoris und chronischer Herzmuskelentzündung (3 x tägl. 3 bis 15 Tropfen). Bei den für homöopathische Maßstäbe recht hohen Dosierungen ist es ratsam, von einer Selbstmedikation abzusehen. Weitere Verwendung bei lähmungsartigen Zuständen, Glieder- und Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen, Gedächtnisschwäche und Schlaflosigkeit. Bei Ekzemen und Darmbeschwerden werden bei gleicher Dosierung die Potenzen D3 bis D12 empfohlen.