Sternanis

  • Illicium verum
  • Fam. Sternanisgewächse (Schisandraceae)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Die mehr als 40 Arten umfassende Gattung (Illicium) ist die einzige der Familie Illiciaceae. Beim Echten Sternanis (I. verum) handelt es sich in der Kulturform um einen bis 8–10 m hohen, immergrünen Baum mit lanzettlichen, nach Anis duftenden Blättern (enthalten Ölzellen). Seine kugeligen Blüten sind rötlich- oder gelblich-weiß; sie ähneln den Magnolienblüten. Sternförmig angeordnete Fruchtblätter (Name: „Stern“anis) bilden eine Sammelfrucht, deren 8 Teilfrüchte („Zacken“ des Sterns) sich bei der Reife an der Bauchnaht öffnen und jeweils einen dunkelbraunen Samen enthalten.

Botanisch gehören Sternanis und Anis Pimpinella anisum (Apiaceae, Doldenblütler) zu unterschiedlichen Pflanzenfamilien (siehe unter „Anis“). Im Geschmack wie auch in der Verwendung als Gewürz- und Heilmittel sind sie jedoch einander ähnlich.

Verwandte Kräuter

Die Sternanisgewächse sind eine mit den Magnolien verwandte Pflanzenfamilie mit nur einer Gattung und 40 Arten in Südostasien und Mittelamerika. Neben dem Sternanis (Illicium verum) ist wirtschaftlich lediglich der Gelbe Sternanis (I.parviflorum) – aus seiner Rinde werden Gewürze hergestellt – bedeutsam.

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Illicium verumDie Heimat des Sternanis-Baums (Illicium verum) befindet sich in Südchina und Vietnam; Wildformen sind hier jedoch nicht mehr bekannt. Er wurde in viele tropische und subtropische Gebiete verbreitet.

Kultivierung

Der Anbau erfolgt weltweit in vielen Ländern der Tropen. In den südostasiatischen Hauptanbaugebieten (China, Vietnam, Japan, Indonesien, Philippinen) überwiegen Kulturen mit kleinwüchsigen Baumformen. Die Früchte werden vor der Reife von August bis Oktober gepflückt und in der Sonne getrocknet.

Brauchtum

Brauchtum

In der chinesischen Küche wird der Sternanis („achthörniger Fenchel“) schon seit Jahrhunderten zum Würzen verwendet.

Wissenswertes

Illicium verumSternanis kam Ende des 16. Jhs. nach Europa und wird in Holland schon seit dem 17. Jh. als Geschmacksstoff für Getränke verwendet.

Der (giftige) Japanische Sternanis oder Shikimi (Illicium anisatum) ist in Japan und Korea ein heiliger Baum und steht vor allem auf Friedhöfen und in der Nähe von buddhistischen Tempeln. Aus der Rinde und den Früchten der Bäume wird der in den Tempeln verwendete „Weihrauch“ hergestellt.

Sternanis wird auch gerne zum Basteln verwendet („Bastelgewürz“), besonders in der Weihnachtszeit.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Illicium verumDer Hauptwirkstoff des Sternanis (Illicium verum) ist – vgl. beim echten Anis (Pimpinella anisum) – das im ätherischen Öl zu über 90 % enthaltene Anethol (trans-Anethol). Anis- und Sternanisöl haben sehr ähnliche Inhaltsstoffe und sind schwer zu unterscheiden (chromatographisch möglich).

Die Früchte und Samen des Japanischen Sternanis oder Shikimi (Illicium anisatum) enthalten nur Spuren von Anethol, stattdessen das giftige Sesquiterpendilacton Anisatin.

Eigenschaften, Wirkungen

Auch die Wirkungsweise der Inhaltsstoffe von Sternanis entspricht der von Anis: sekretlösend und auswurffördernd, blähungstreibend, harntreibend und krampflösend sowie schwach antibakteriell und antifungal.

Warnhinweise

Aufgrund von zahlreichen Vergiftungsfällen nach der Einnahme von Sternanis und daraus zubereitetem Tee wurde der Verkauf von Sternanis in einigen europäischen Ländern seit 2001 verboten. Die genaue Ursache der Vergiftungen – besonders bei Kindern, aber auch Erwachsenen – ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden Überdosierung und Verwechslung.

Neben dem als Würz- und Heilmittel verwendeten Sternanis (Illicium verum) gibt es allein in China noch 9 weitere Illicium-Arten mit ähnlich aussehenden Früchten. Diese stehen im Verdacht, toxisch zu sein; Verwechslungen, Verfälschungen oder Beimischungen sind nicht auszuschließen. Genauere Kenntnisse gibt es über den Japanischen Sternanis oder Shikimi (Illicium anisatum syn. I. religiosum), der zu Todesfällen in Japan und nach 1880 auch zu Vergiftungen in Mitteleuropa führte.
Schon ein Verzehr ab 1,5 g der Früchte führt zu Durchfall und Erbrechen, höhere Dosen u. a. zu Krämpfen mit Atemstillstand. Während Sternanis eher süß und scharf-aromatisch nach Anis schmeckt, ist der giftige Shikimi bitter-sauer, sehr scharf und ohne Anis-Aroma. Die Diskussion über „giftigen (Stern-)Anis“ ist ein Medienthema alljährlich zur Weihnachtszeit, wenn Warentester einmal wieder Giftstoffe im Anisgebäck nachweisen konnten. Keinesfalls verzehrt werden sollte jener Sternanis, der ausdrücklich „Dekorationszwecken“ oder zum Basteln dient, weil er zur Konservierung und Verschönerung mit Chemikalien und Wachsen behandelt wurde.

Sternanis kann bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen hervorrufen (zumeist gegen Anethol). Anisöl ist sparsam und verdünnt anzuwenden; es wirkt in hoher Dosis narkotisierend, verlangsamt die Durchblutung und kann zu Hirnstörungen führen. Keine Anwendung während der Schwangerschaft!

Anwendung

Anwendungsgebiet

Arzneidrogen: Anisi stellati fructus (getrocknete Anis-Früchte); Anisi stellati aetheroleum (durch Wasserdampfdestillation aus den trockenen reifen Früchten gewonnenes ätherisches Öl; Anisöl).

Sternanis schmeckt wie Anis und wird in Mitteleuropa seit dem 18. Jh. als Ersatz für Anis auch zur Herstellung von Anisöl verwendet. Anwendung bei Erkrankungen der Atemwege (z. B. Husten, Bronchitis) und des Magen-Darm-Trakts (z. B. Blähungen, Verdauungsstörungen).

Anwendungsart

Die Monographie der Kommission E (1988) verzeichnet eine mittlere Tagesdosis (Richtwert) für die zerkleinerte Droge zum Einnehmen: 3,0 g Droge; 0,3 g ätherisches Öl.

Auf die Ausführungen unter „Warnhinweise“ wie auch unter „Tee“ sei ausdrücklich hingewiesen!

Homöopathie

Homöopathisch hat der Sternanis in Europa keine Bedeutung. Arzneidrogen aus dem Sternanis dienen in den Herkunftsländern (Südostasien, China) traditionell zur Behandlung von Rückenschmerzen und Rheumatismus, Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und von Zahnschmerzen.

Produkte

Getränke

Ähnlich wie Anis dient auch Sternanis als Aromatikum in alkoholischen Getränken.

Tee

Gesundheitliche Probleme zahlreicher Personen nach dem Genuß von Sternanis-Tee veranlaßten 2003 die amerikanische Arzneimittel-Zulassungsbehörde (Food and Drug Administration; FAD) zur Abgabe der Empfehlung, auf den Konsum von Tee mit Sternanis zu verzichten.

Speisen

Sternanis ist z. B. in manchen Süßwaren und Zahnpasta enthalten.

Kosmetik

In der Parfümerie dienen Anisaldehyd und Anisalkohol als Duftkomponenten, z. B. bei der Herstellung von Flieder-Duft.

Tipps

Die mittelalterliche Verwendung von Anisöl gegen Läuse und Krätze (siehe unter „Brauchtum“ beruhte auf der Erfahrung, daß sich viele Schädlinge und Insekten durch Anisgeruch vertreiben lassen. Man könnte es ja mal versuchen …