Tausendgüldenkraut

  • Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium
  • Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, Erdgalle
  • (Fam. Gentianaceae, Enziangewächse)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Das meist einjährige Tausendgüldenkraut ist eine zierliche, bis 35 cm hohe Pflanze. Ihre länglich-eiförmigen, unbehaarten Blätter bilden unten eine Rosette und sitzen, wie es für die Enziangewächse charakteristisch ist, kreuzweise gegenständig am vierkantigen Stengel. Dieser ist im oberen Bereich einfach oder verzweigt und trägt in den Sommermonaten schirmförmige Doldenrispen mit 5zähligen, rosaroten bis purpurfarbenen Blüten. Die Frucht ist eine vielsamige gelbe Kapsel.

Verwandte Kräuter

Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, ErdgalleVerwandte Heilpflanzen sind die an der Westküste Nordamerikas verbreitete Art C. chilensis und der ebenfalls zu den Enziangewächsen gehörende Gelbe Enzian (Gentiana lutea). In früheren Zeiten nahm man zu Heilzwecken auch den Purpurroten Enzian (G.purpurea) und den Punktierten Enzian (G. punctata), nicht jedoch die anderen Centaurium-Arten wie z. B. das Strand- (C. littorale) und Ästige Tausendgüldenkraut (C. pulchellum).

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, ErdgalleDas Echte Tausendgüldenkraut ist in Europa und Asien heimisch. Man findet es rund um das Mittelmeergebiet und nördlich bis zu den Britischen Inseln und Skandinavien. Weltweit wurde es in den gemäßigten Regionen eingebürgert.

Standort

Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, ErdgalleDas Kraut wächst in sonnigen Waldlichtungen, Triften und trockenen Wiesen auf sandigen, kalkarmen Böden. In Österreich, Deutschland und in der Schweiz steht die Pflanze wie alle Enzianarten unter Naturschutz.

Kultivierung

Im Sommer werden die Sproßteile mitsamt den Blüten geerntet, indem man sie behutsam oberhalb der – zur Erntezeit bereits vertrockneten – Blattrosette abschneidet. Werden die Triebe ausgerissen, kann die winterharte Wurzel keine neuen mehr bilden. Das Tausendgüldenkraut läßt sich auch durch Aussaat im Frühjahr vermehren.
Kultiviert wird es u. a. in Marokko, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, im früheren Jugoslawien und in den USA.

Brauchtum

Brauchtum

Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, ErdgalleSchon in der Antike erfreute sich das Tausendgüldenkraut einer hohen Wertschätzung als Heilmittel. Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) und Plinius d. Ä. (23-79 n. Chr.) priesen seine Wirkung beim Heilungsprozess von Wunden. Plinius behauptete sogar, daß in Stücke geschnittenes Fleisch beim Kochen zusammenwächst, wenn das Kraut dazugegeben werde. Dioskurides empfahl den gekochten Pflanzensaft bei Fieber, Augen- und Nervenleiden (u. a. Ischias) und als Mittel zur Förderung der Verdauung und bei Menstruationsbeschwerden. Im Mittelalter beriefen sich die Naturheilkundigen (z. B. Albertus Magnus, ca. 1200-1280) auf die aus dem Altertum bekannten Indikationen, vor allem auf die wundheilende Kraft des Tausendgüldenkrauts. Als Fiebermittel zählte es zu den Pflanzen, die „febrifuga“ genannt wurden. Hildegard von Bingen (1098-1197) empfahl Umschläge bei Brüchen, Gicht und unreiner Haut. Man nahm es zur Blutreinigung und Linderung von Magen-, Leber-, Milz- und Gallebeschwerden, gegen Nieren- und Blasenleiden, aber auch als Mittel gegen Gifte, Würmer und Tollwut.

Wissenswertes

Der wissenschaftliche Gattungsname Centaurium stammt aus der griechischen Mythologie. Der in der Heilkunst bewanderte Kentaur Chiron soll mit diesem Kraut („Kentaurion“) die Wunden von Helden (Herkules) und Göttersöhnen sowie seine eigene, durch einen Giftpfeil erlittene Verwundung geheilt haben. Der deutsche Name orientierte sich an lat. „centum“= hundert und aurum = Gold, Gulden/Gülden. Aus dem „Hundertgüldenkraut“ wurde später wohl in Anerkennung seiner großen Heilkraft das „Tausendgüldenkraut“.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Typisch für die Drogen der Enziangewächse ist deren Gehalt an Bitterstoffen. Tausendgüldenkraut enthält neben weiteren Secoiridoidglykosiden als Hauptkomponente das Swertiamarin (bis über 5 %). Der Bitterwert läßt sich über den Gehalt an Esterbitterstoffen (z. B. Swertiamarinester, Centapicrin) bestimmen, weil diese im Vergleich zu Nichtestern einen besonders hohen Bitterwert aufweisen. Für die Droge beträgt er mindestens 2.000.
Weitere Inhaltsstoffe sind polymethoxylierte Xanthone (u. a. Eustomin und Demethyleustomin), Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Triterpene und Phytosterole.

Eigenschaften, Wirkungen

Bitterstoffe reizen die Geschmacksrezeptoren und bewirken eine reflektorische Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion.

Forschung

Ein wässriger Extrakt hat auch entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkungen, deren Mechanismus aber nicht bekannt ist. Der volkstümliche Gebrauch zur äußerlichen Anwendung bei der Wundheilung und gegen Fieber könnte berechtigt sein. Die Xanthone (Eustomin und Demethyleustomin) wirken als Bioantimutagene (= die Mutationsrate vermindernde Sustanzen) und könnten eine schützende Wirkung gegenüber Karzinogenen (= krebsauslösenden Substanzen) besitzen.

Warnhinweise

Bei Magen- und Darmgeschwüren wird von einer Anwendung abgeraten.

Anwendung

Anwendungsgebiet

Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, ErdgalleArzneidroge: Centaurii herba (Tausendgüldenkraut)
Die Anwendung erfolgt bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Reizmagen, Völle- und Druckgefühl.

Anwendungsart

Centaurium erythraea, syn. C. umbellatum, syn. Erythraea centaurium Echtes Tausendgüldenkraut, Fieberkraut, Bitterkraut, ErdgalleVerwendet werden die getrockneten oberirdischen Teile der blühenden Pflanze oder deren Zubereitung.
Die Droge wird zerkleinert und dient zur Herstellung von Aufgüssen oder bitterschmeckenden Zubereitungen zur innerlichen Anwendung.
Als mittlere Tagesdosis werden 6 g Droge empfohlen; Zubereitungen entsprechend.

Produkte

Getränke

Das Tausendgüldenkraut dient in Bitterschnäpsen und Magenbittern als Bittermittel (Amara). Die Wirkung ist am besten, wenn sie eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden.
Zur Herstellung von Tausendgüldenkraut-Wein nimmt man jeweils 1 Eßlöffel Pfefferminze und Tausendgüldenkraut sowie eine in Stücke geschnittene Zitrone mit unbehandelter Schale. Diese Zutaten beläßt man etwa 10 Tage lang in 1 Liter Wein. Empfohlen wird ein Gläschen vor der Mahlzeit.

Tee

Tee bereitet man aus 1 gehäuften Teelöffel klein geschnittenes Tausendgüldenkraut und 250 ml kaltes Wasser. Man läßt ihn etwa 4 bis 6 Stunden ziehen und gießt dann ab. Der bittere Tee wird vor dem Essen warm und ungesüßt (!) getrunken.