Wollblume, Königskerze

  • Verbascum densiflorum, syn. V. thapsiforme,Verbascum phlomoides
  • Großblütige Wollblume,Filzige Wollblume
  • (Fam. Scrophulariaceae, Rachenblütler)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Die Wollblume oder Königskerze ist eine zweijährige Halbrosettenpflanze. Sie entwickelt im ersten Jahr eine Rosette aus ganzrandigen, elliptischen und kurzgestielten Blättern. Im darauffolgenden Sommer wächst der 2 bis 3 m hohe Blütenstengel. Die sproßaufwärts kleineren Laubblätter leiten Wassertropfen auf die größeren unteren Blätter und weiter zu den Wurzeln. Ein dichter Haarfilz auf Stengel und Blättern (Namen „Wollkraut“ und „-blume“) schützt die Pflanze vor Verdunstung und Freßfeinden. Von Juli bis September bilden sich in den Achseln der Tragblätter große, hellgelbe und kurzgestielte Blüten (33-55 mm, honigartiger Geruch), die sich zu einer kerzenartigen, am Grunde verzweigten Infloreszenz vereinigen. Es werden zweifächerige Kapselfrüchte mit vielen winzigen Samen (300 je Kapsel) ausgebildet. Nach dem Fruchten stirbt die Pflanze ab.
Die bis zu 2 m große Filzige Wollblume (V. phlomoides) hat undeutlich gekerbte Blätter und der Blütenstiel ist höchstens so lang wie der Kelch (Tragblätter bis 15 mm); von dieser unterscheidet sich die bis zu 2,5 m hohe Großblütige Wollblume (V. densiflorum) u. a. durch deutlich gekerbte, flügelartige Blätter am Stengel und der Blütenstiel ist halb so lang wie der Kelch (Tragblätter bis 40 mm).

Verwandte Kräuter

Verbascum densiflorum, syn. V. thapsiforme (Großblütige Wollblume) Verbascum phlomoides (Filzige Wollblume)Zu Heilzwecken dienen nur die beiden Verbascum-Arten V. phlomoides und
V. densiflorum. Wegen ihrer dekorativen Blütenstände sind sie zusammen mit weiteren Arten auch in vielen Gärten zu finden und werden überwiegend „Königskerzen“ genannt. Beispiele sind die Schwarze Königskerze (V. nigrum, bis 120 cm, blüht von Mai bis Sept.), die Kleinblütige Königskerze (V. thapsus, bis 200 cm, Juli bis Sept.) oder die früher in Bayern als Mittel gegen Schadinsekten eingesetzte Schaben-Königskerze (Schabenkraut, V. blattaria, bis 150 cm, Juni bis August).

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Verbascum densiflorum, syn. V. thapsiforme (Großblütige Wollblume) Verbascum phlomoides (Filzige Wollblume)Zur Gattung Verbascum zählen weltweit etwa 250 Arten. V. densiflorum ist weit verbreitet, während V. phlomoides seltener vorkommt. Beide sind in Süd- und Mitteleuropa sowie in Kleinasien und Nordafrika beheimatet und wurden auch in andere Erdteile, besonders in die gemäßigten Zonen Asiens und Nordamerikas, eingeführt.

Standort

Die beiden Arten haben ähnliche Umweltansprüche (V. densiflorum bevorzugt etwas kalkreicheren Grund). Sie gedeihen auf trockenen und oft steinigen, nährstoffreichen Böden in voller Sonne, z. B. an Böschungen, Dämmen, Mauern, Wegen, Waldrändern, auf Brachland und Schuttplätzen.

Kultivierung

Die für Heilzwecke verwendeten Pflanzen stammen aus Kulturen. Doch auch im Garten lassen sich die Wollblumen leicht halten, denn sie stellen nur geringe Ansprüche an Boden und Standort. Gleich nach Beginn der Blüte kann mit der Ernte der Blütenblätter begonnen werden. Der günstigste Zeitpunkt ist nach dem Abtrocknen des Taus am Vormittag. Den höchsten Wirkstoffgehalt besitzen die voll entfalteten Blüten; Druckstellen führen zur Braunfärbung und sollten vermieden werden. Das Trocknen erfolgt bei guter Belüftung, z. B. auf einem ausgebreiteten Tuch. Aufbewahrt werden die getrockneten Blüten in dunklen, luftdicht verschlossenen Gefäßen (z. B. Gläsern).

Brauchtum

Brauchtum

Verbascum densiflorum, syn. V. thapsiforme (Großblütige Wollblume) Verbascum phlomoides (Filzige Wollblume)Im antiken Griechenland war die Königskerze Heil- und Zauberpflanze zugleich. Dioskurides (1. Jh.) und Plinius (23-79 n. Chr.) verwendeten die Wurzeln und Blätter bei Durchfall, Magenkrämpfen, chronischem Husten und Zahnschmerzen, äußerlich bei Schwellungen, Augenentzündungen, Verbrennungen und eitrigen Wunden. In der gallischen Volksmedizin nahm man sie zusammen mit anderen Heilpflanzen gegen Gicht. Hildegard von Bingen (1098-1179) empfahl die „Wullena“ gegen Heiserkeit, Brust- und Herzschmerzen, Niedergeschlagenheit und Würmer. Nach Leonhart Fuchs (1501-1566) soll die Wurzel in Rotwein gesotten und getrunken die Verdauung fördern; in Wasser gekocht bei hartnäckigem Husten und Zahnschmerzen helfen. Umschläge aus gekochten Blättern lassen Beulen und Prellungen zurückgehen und sind auch gut gegen Skorpionstiche. Zerriebene Blätter können Verbrennungen und – mit Honig gemischt – Geschwüre und Wunden heilen.
Pfarrer Kneipp (1821-1897) gab den Rat, die Blüten zur Stärkung des Herzens in einer Fleischbrühe nebst Suppengrün zu verwenden. Bei Schnupfen soll man einen Blütentee durch die Nase aufziehen. Als besonders wirksam hielt Kneipp das aus den Blüten gewonnene Öl bei „Harntröpfeln“. Weitere Anwendungen bei Hämorrhoiden, Neuralgien und Ohrenentzündungen.

Wissenswertes

Der Name „Verbascum“ leitet sich vom lateinischen „barbascum“ (barba = Bart) ab und bezieht sich auf die filzige Behaarung. V. densiflorum von lat. „densus“ = dicht und lat. „florus“ = blütig; V. phlomoides von griech. „phlogmos“ = Flamme: die Stangen wurden mit Harz oder Wachs getränkt und als Fackel oder Lampendocht verwendet. Dies war auch noch im Mittelalter üblich („Königskerze“); im alten Bayern wurde sie auch zum Anfeuern verwendet („Himmelbrand“).
Außer zu Heilzwecken dienten die Blüten des Wollkrauts zum Gelbfärben von Wolle und bereits im Altertum als Haarfärbemittel.
Schon Aristoteles (384-322 v. Chr.) berichtet von einer Verwendung der Wollblumensamen beim Fischfang (Betäubung und Fischgift). Wirksam sind wahrscheinlich die enthaltenen Saponine. Zu vergleichbaren Fischvergiftungen kann es durch die ebenfalls saponinhaltigen Früchte der Roßkastanie kommen, wenn die Bäume am Ufer eines kleinen Stillgewässers stehen.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Verbascum densiflorum, syn. V. thapsiforme (Großblütige Wollblume) Verbascum phlomoides (Filzige Wollblume)Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Iridoidglykoside (Aucubin, Catalpol u. a.), Schleimstoffe (Polysaccharide, z. B. Xyloglucan), Saponine (u. a. Verbascosaponin) und Phenylethanoidglykoside (Verbascosid), außerdem Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und Sterole.

Eigenschaften, Wirkungen

Die Inhaltsstoffe wirken auswurffördernd und aufgrund der Schleimstoffe auch reizlindernd. Verbascosid könnte an entzündungshemmenden Reaktionen beteiligt sein. Die Droge soll schwach harntreibende Eigenschaften besitzen.

Forschung

Die Wirkung von Iridoidglykosiden ist noch weitgehend unbekannt und wird erst in den letzten Jahren genauer untersucht. Man vermutet, dadurch Erkenntnisse über einige seit Jahrhunderten bekannte Anwendungsbereiche von Arzneidrogen zu erlangen, die wissenschaftlich bisher noch nicht begründet werden konnten. Als erste Hinweise zeigten sich – neben vielen weiteren – antimikrobielle, antivirale (gegen Viren), antifungale (gegen Pilze) und entzündungshemmende Wirkungen; außerdem die Senkung von Blutzucker und -fett, Einflüsse auf das Immunsystem und Antitumorwirkung.

Anwendung

Anwendungsgebiet

Verbascum densiflorum, syn. V. thapsiforme (Großblütige Wollblume) Verbascum phlomoides (Filzige Wollblume)Arzneidroge: Verbasci flos (Wollblumen)
Anwendungsgebiet sind Katarrhe der Luftwege (Erkrankungen der Atmungsorgane).
Volkstümliche Anwendung außerdem zur Steigerung der Harnausscheidung (Diuretikum) und bei Rheuma, äußerlich auch Blätter und Wurzeln zur Wundbehandlung (z. B. Hämorrhoiden, Furunkel, Geschwüre).

Anwendungsart

Verwendet werden die getrockneten Blütenblätter mit den daran festgewachsenen Staubblättern (ohne Kelch).
Die empfohlene Tagesdosis für die innerliche Anwendung beträgt 3 bis 4 g der zerkleinerten Droge, z. B. für Aufgüsse oder andere Zubereitungen.
Beispiel für eine äußerliche Anwendung bei Luftwegserkrankungen: 5 g der Droge auf 100 ml Wasser, Abfiltern und zum Gurgeln oder für Mundspülungen verwenden.

Homöopathie

Das Homöopathikum Verbascum wird aus dem ganzen blühenden Kraut bereitet und gegen Nervenschmerzen, Husten und Heiserkeit verwendet. Empfohlen werden die Potenzen D1 bis D3 oder auch D6 (dreimal täglich 5 bis 10 Tropfen).

Produkte

Tee

Zur Teebereitung: 1,5 bis 2 g fein zerkleinerte Droge mit kochendem Wasser übergießen, 10 bis 15 Min. ziehen lassen und durch ein Teesieb abschütten (bei Verbascum entsprechen 0,5 g Droge etwa 1 Teelöffel).
Die Droge ist jedoch überwiegend ein Bestand von Teemischungen und wird nur selten alleine verwendet.
Ein Rezept aus dem Altertum ist der 5-Kräuter-Brusttee: jeweils 20 g Wollblume, Huflattich, Eibisch, Malve, Märzveilchen und 1 Liter kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und zur Hustenlinderung und Förderung des Auswurfs mehrmals täglich in kleiner Menge einnehmen.

Tipps

Die Droge ist vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen, weil sie sich sonst braun verfärbt (Iridoidglykoside) und an Wirkung verliert.