Anis

  • Pimpinella anisum
  • Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel
  • Fam. Doldenblütler (Apiaceae)

Kräuterbeschreibung

Beschreibung

Pimpinella anisum (Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel)Anis ist einjährig, wird bis 60 cm hoch, hat einen runden, gerillten Stengel und aromatisch duftende Blätter unterschiedlicher Gestalt: Die unteren Grundblätter sitzen an langen Stielen, sind meist ungeteilt und am Rand gezähnt, die mittleren Blätter dagegen schmaler, kurzgestielt und dreilappig, die oberen 2–3fach gefiedert.
Im Hochsommer erscheinen kleine, cremeweiße Blüten, angeordnet in flachen, 7 bis 15-strahligen Dolden. Charakteristisch sind zwei – beim Anis zumeist zusammenhängende – Teilfrüchte (Spaltfrüchte, Doppelachänen; Balgfrüchte). Die Einzelfrucht (3–5 mm) ist graugrün und birnenförmig mit 5 hellen Rippen und meist noch Stielresten. Anisfrüchte (umgangssprachlich als „Anis“ bezeichnet) riechen würzig und schmecken süßlich; das Aroma verstärkt sich während der Lagerung.

Verwandte Kräuter

Pimpinella anisum (Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel)Botanisch mit dem Anis verwandt sind z. B. Fenchel und Süßdolde (beide auch mit einem dem Anis sehr ähnlichen Aroma), Dill, Kümmel und Kreuzkümmel. Nicht verwandt ist dagegen der Sternanis (Illicium verum). Aufgrund der weitgehend gleichartigen Aromastoffe läßt er sich anstelle des Anis verwenden (siehe unter „Sternanis”). Geschmacklich gibt es leichte Unterschiede: das Aroma von Anis istsüßlich-würzig, jenes von Sternanis eher brennend-würzig.

Vorkommen

Herkunft und Verbreitung

Pimpinella anisum (Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel)Anis stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und Vorderasien.

Standort

Im mitteleuropäischen Freiland ist Anis nur selten (verwildert) anzutreffen, denn das Kraut ist wärmebedürftig und frostempfindlich. Im Garten gedeiht es daher am besten an warmen, sonnigen Standorten auf durchlässigem, kalkhaltigem und nährstoffreichem Boden.

Kultivierung

Pimpinella anisum (Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel)Anis wird mittlerweile weltweit angebaut, großflächig z. B. in Südeuropa (besonders in Spanien und in der Türkei), in Ländern der früheren Sowjetunion, in Indien und klimatisch geeigneten Gebieten Mittel- und Südamerikas; in Deutschland seltener (früher: „Thüringer Anis”).

Die Früchte werden im Juli/August kurz vor der Vollreife geerntet. In Kulturen geschieht dies maschinell. Bei der Handsammlung werden die Blütendolden abgeschnitten und gebündelt über ein sauberes Tuch gehängt. Sobald die Samen reif sind, fallen sie herunter; der Rest wird ausgeklopft. Zur Aufbewahrung nach dem Trocknen eignen sich dunkle Glasbehälter.

Brauchtum

Brauchtum

Paphyrusrollen geben Auskunft, daß Anis schon im alten Ägypten (vor ca. 4.000 Jahren) als Gewürz- und Heilpflanze angebaut wurde. Römer, Griechen und Araber verbreiteten sie dann in der antiken Welt. Anissamen wurden in frischem oder getrocknetem Zustand für Würz- und Heilzwecke, als Mittel gegen Gifte (Antidot) – wie z. B. nach Skorpionstichen – und auch als Aphrodisiakum benutzt. Nach Dioskurides (1. Jh.) soll Anis nicht nur bei innerer Verschleimung, Blähungen, beim Harnlassen und gegen Impotenz helfen, sondern ebenso die Atmung erleichtern und den Schmerz lindern. Aufgrund der wohltuenden, anregenden Wirkung erfreuten sich die Anisfrüchte in der römischen und griechischen Gesellschaft großer Beliebtheit; Speisen und Getränke ließen sich schmackhafter und zugleich bekömmlicher zubereiten. Zum Abschluß eines Festgelages servierten manche Römer anishaltigen Gewürzkuchen – den Vorläufer des englischen Hochzeitskuchens? Im Mittelalter dienten die Samen einerseits als Köder für Ratten und Anisöl gegen Läuse und Krätze, andererseits aber auch als krampflösendes Mittel bei Magen- und Darmleiden, zur Verdauungsförderung und bei Bronchialkatarrh. Zauberkraft sollte das Kraut besonders am 30. November (Andreastag) entfalten. In Böhmen pflegten die Bauern an diesem „Anischtag“ einen Taubenschlag mit Anisöl zu bestreichen, um Tauben anzulocken und an die neue Behausung zu gewöhnen.

Wissenswertes

Pimpinella anisum (Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel)Der Ursprung des Names „Anis“ liegt ursprünglich im griechischen anes(s)on, anethon (= Dill, der heute Anethum heißt). Daraus wurde im lateinischen Anaesum und Anisum, später „Anis“. Der Gattungsname „Illicium“ kommt von lat. illicere (anlocken). Vielleicht ist hier ein Anlocken durch das charakteristische Aroma gemeint.

Blätter, Blüten, Samen und Wurzeln der mit Anis verwandten Süßdolde („Aniskerbel“,
Myrrhis odorata) riechen und schmecken ebenfalls nach Anis. Die Pflanze wird als Gewürz, Gemüse und Viehfutter verwendet. Wegen eines Wirkstoffs (Podophyllotoxin) gegen Feigwarzen und vielleicht auch gegen Krebs ist sie auch von pharmakologischem Interesse.

Anisöl wird nicht nur aus Anis gewonnen („echtes Anisöl“ ist selten und sehr teuer), sondern sehr viel billiger aus Sternanis, Fenchel oder Süßholz. In der pharmazeutischen Industrie nutzt man zudem die Möglichkeit, bitteren und unangenehmen Geschmack von Medikamenten durch die Beigabe von Anis zu
mildern.

Eigenschaften

Wesentliche Inhaltsstoffe

Aromaträger und Hauptwirkstoff der würzig riechenden Anisfrüchte ist das in der Fruchtwand (nicht im Samen) befindliche ätherische Öl (Anisöl 1,5–5%), das zu über 80% (bis 95%) aus trans-Anethol besteht. Weitere Inhaltsstoffe des Öls sind u. a. Estragol und Anisaldehyd und Linalool. Die Früchte enthalten zudem Phenolcarbonsäuren, Cumarine und Flavonoide.

Eigenschaften, Wirkungen

Die Inhaltsstoffe wirken sekretlösend und auswurffördernd (bei Husten) sowie blähungstreibend und krampflösend (bei Verdauungsbeschwerden). Die Wirkung ist jedoch geringer als bei Kümmel oder Fenchel. Das ätherische Öl hat zudem schwach antibakterielle und antifungale Wirkung.

Warnhinweise

Bei empfindlichen Personen kann Anis allergische Reaktionen auslösen (zumeist durch Anethol verursachte Hautreaktionen, aber auch Magen-/Darm- oder Atembeschwerden). Von einer Verwendung während der Schwangerschaft wird abgeraten.

Anisöl wirkt in hoher Dosis narkotisierend und verlangsamt die Durchblutung. Es ist im Dunkeln zu lagern. Unter Lichteinwirkung (UV-Licht) bilden sich größere Mengen an giftigem cis-Anethol.

Im Handel erhältliche Anisöle sind meist synthetisch oder aus dem (leicht zu kultivierenden) Sternanis hergestellt.

Anwendung

Anwendungsgebiet

Arzneidrogen: Anisi fructus (getrocknete Anis-Früchte); Anisi aetheroleum (durch Wasserdampfdestillation aus den trockenen reifen Früchten gewonnenes ätherisches Öl; Anisöl).

Innere Anwendung aufgrund der krampflösenden Eigenschaften bei Bronchitis und Asthma sowie Magen- und Darmbeschwerden (z. B. Verdauungsstörungen, Völleund Druckgefühl, Blähungen, Verstopfungen). Äußere Anwendung bei Infektionskrankheiten der oberen Atemwege. Wegen der schleimlösenden und auswurffördernden Eigenschaften als Inhaltsstoff von Hustenarzneien. Aufgrund des süßlichen Geschmacks wird Anis besonders gerne in der Kinderheilkunde verwendet.

Volkstümliche Verwendungen von Anis: äußerlich zur Durchblutungsförderung;
innerlich (als Tee) gegen Depression und Liebeskummer, bei Schlaflosigkeit und Übernervosität. Anis soll Menstruationsbeschwerden lindern und die Milchsekretion bei stillenden Müttern fördern.

Anwendungsart

Zur Einnahme wird eine mittlere Tagesdosis von 3 g (ätherisches Öl: 0,3 g) der
Droge empfohlen. Üblich ist eine Verwendung der zerkleinerten Früchte in Form von Tee (zumeist gemischt mit weiteren Drogen). Bei der industriellen Herstellung von Teemischungen und Hustensäften wird auch das ätherische Öl verwendet. Anisöl keinesfalls unverdünnt einnehmen!

Die äußere Anwendung erfolgt als Inhalation des stark verdünnten ätherischen Öls in Zubereitungen, z. B. 3–5 Tropfen in heißes Wasser geben und 10–15 Min. einatmen.

Homöopathie

In der Homöopathie wird Anis nur selten verwendet (z. B. bei Appetitlosigkeit,
Blähungen, Nackenschmerzen und Hexenschuß als D1 oder D2). In früheren Zeiten bestand stets die Gefahr der Verunreinigung von Anissamen mit den sehr ähnlichen, aber giftigen Samen von Geflecktem Schierling (Conium maculatum) und Hundspetersilie (Aethusa cynapium).

Produkte

Getränke

Als man nach dem Verbot des Absinth (siehe unter „Wermut“) nach Alternativen suchte, gelang es Pernod, unter Weglassen des Thujon ein ähnliches Getränk herzustellen. Dessen Nachahmungen wurden Pastis (von pastiche = Mischung) genannt. So nennt man heute die Aperitifs mit ausgeprägtem Anisgeschmack; mit Wasser gemischt färben sie sich milchig-weiß. Besonders geschätzt wird die vor dem Essen verabreichte Anisspirituose in Frankreich, Griechenland und in der Türkei.

Anis ist in vielen Aperitifs, Likören und Schnäpsen enthalten. Bekannte Marken sind Berger Blanc (Frankreich; geringer Anteil an natürlichen Pflanzenauszügen); Berger Pastis (Frankreich; Verwendung von Süßholz); Pastis (Pernod Ricard, Frankreich; mit Anis und Süßholz); Pastis Janot (Frankreich; mit Sternanis und Süßholz); Pernod (Frankreich; mit Anisöl aus Sternanis und Fenchel); Raki (Türkei, Balkan; vergorene
Rosinen, Feigen oder Datteln, mit Anis destilliert); Ouzo (Bezeichnung für Raki in Griechenland); Anisette (Likör mit Anis, Sternanis, Fenchel und Koriander).

Anislikör kann man recht einfach nach folgendem Rezept selbst zubereiten: 20 g fein zerstoßener Anissamen werden in einer Glasflasche mit 1/2 Liter Apfel- oder Birnenschnaps übergossen. Diese läßt man gut verschlossen 8 bis 14 Tage an einem warmen, aber nicht besonnten Platz – also weder auf der Heizung, noch auf der Fensterbank – stehen (ab und zu schütteln). Nach dem Abseihen des Samens durch ein Tuch wird – je nach Geschmack – mehr oder weniger Zucker hinzugefügt.

Kaum aufwendiger ist die Herstellung von 0,7 Liter Anislikör mit 1 TL Anissamen, 1 TL Fenchelsamen, 1 TL Koriander, 200 g Zucker und ca. 600 ml Rum (anstelle von Rum kann auch Arrak oder Weinbrand genommen werden). Die zerstoßenen Gewürze füllt man mit dem Rum in ein Glasgefäß. Dieses wird gut verschlossen und ca. 2 Wochen lang an einem warmen Ort aufbewahrt. Zwischendurch muß öfters geschüttelt werden.
Anschließend wird der Inhalt gefiltert, mit Zucker abgeschmeckt und in eine mit kochend heißem Wasser ausgespülte, verschließbare Flasche eingefüllt. Dann kann der fertige Anislikör auch gleich getrunken werden. Gekühlt hält er sich etwa ein halbes Jahr.

Für die Herstellung einer Flasche Anisschnaps (0,7 l) benötigt man etwa 25 g Anissamen. Sie werden in einem Sieb gewaschen, abgetrocknet und mit einem Mörser grob zerkleinert. Anschließend füllt man sie in eine Flasche und übergießt mit 38%igem Korn. Die verschlossene Flasche stellt man an einen warmen Platz und läßt den Inhalt etwa 5 Wochen ziehen. Hin und wieder kräftig schütteln! Die Flüssigkeit wird dann gefiltert und in eine mit kochendem Wasser ausgespülte Flasche eingefüllt. Anschließend läßt man den Schnaps noch 2 bis 3 Monate in der gut verschlossenen Flasche reifen.

Tee

Der besonders im Nahen Osten sehr beliebte Anistee läßt sich mit Milch, Zitrone und Honig oder wie folgt zubereiten: Einen gestrichenen Teelöffel Anisfrüchte (1,5 g) in einem Mörser zerdrücken und mit 1/4 l kochendem Wasser überbrühen; 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen und abseihen. Leidet man an Husten, trinkt man täglich 2 bis 5 Tassen, evtl. mit Honig gesüßt (Ausnahme: Diabetiker). Bei Blähungen dieselbe Menge, aber ungesüßt. Der Tee kann auch Kindern verabreicht werden.

Bewährt ist auch eine Teemischung aus gleichen Teilen zerstoßener Früchte von Kümmel, Fenchel und Anis (je 25 g). Zubereitung und Dosierung wie Anis-Tee.

Speisen

Pimpinella anisum (Anis-Bibernelle, Süsser Fenchel, Süsser Kümmel)Die Früchte dienen aufgrund des stark süßlichen Geschmacks vor allem der Verfeinerung von Süßspeisen; besonders in der Weihnachtszeit als Gewürz für Backwaren (Anisplätzchen).

Wegen seiner verdauungsfördernden und blähungstreibenden Wirkung gibt man Anissamen auch zum Brotteig, zu Weiß- und Rotkohl, Sauerkraut und Krautsalaten.

Tipps

Anbau von Anis im Garten: Aussaat Ende März / Anfang April in sonniger Lage ins Freiland. Sämlinge auf 12 cm Abstand vereinzeln (nicht verpflanzen!). Blätter und Blüten können ständig geerntet werden; die Samen reifen im Spätsommer.